Pornographie?

Beschäftigt man sich mit Pornographie, muss man sich zwangsläufig mit ihrer Daseinsberechtigung und ihrem Wirken beschäftigen. Deswegen wäre es sinnvoll, sich für diese Thematik und den Artikel etwas Zeit zu nehmen. Pornographie, was ist das eigentlich? (So)Was weiß Wikipedia:

Pornografie ist die direkte Darstellung der menschlichen Sexualität oder des Sexualakts mit dem Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen, wobei die Geschlechtsorgane in ihrer sexuellen Aktivität bewusst betont werden. Darstellungsformen der Pornografie sind hauptsächlich pornografische Schriften, Tonträger, Bilder und Pornofilme.

Pornographie deckt so gut wie alle Medien ab, die auch von Künstlern genutzt werden. Als Schund von der Gesellschaft abgestempelt, wird ihr jedoch jegliche Kunstfertigkeit oder ästhetisches Bewusstsein aberkannt. Die Tatsache, dass Pornographie eine lange Geschichte hat, sei es bei den Inkas oder in Europa seit dem sechzehnten Jahrhundert in Form von erotischen Kupferstichen, zeigt, dass der Geschlechtsakt als etwas ästhetisch wertvolles angesehen wurde. Es würde zwar niemand heute behaupten, dass die Pornographie der Inkas, der große Teile in “InkaGold” vom Kehrer Verlag gewidmet sind, Schund sei. Aber es würde auf die Massenproduktuion und Tabulosigkeit des Videopornographie-Marktes verwiesen werden. Unbestritten dabei ist, dass es Grenzen geben muss und soll, die ein Porno bei der expliziten Darstellung von Sex nicht überschreiten darf. Sex mit Minderjährigen, Vergewaltigung, Zwangsprostituion oder Snuff. Dass diese Formen meist auch mit der Degradierung der Frau zum Lustobjekt des patriachalischen, chauvinistischen Manns einher gehen, ist zu Recht Gegenstand der Diskussion um Pornos. Frauenrechtler/innen bekämpfen genau diese Pornographie bzw. Pornographie allgemein. Darunter ist die bekannteste Vertreterin in Deutschland Alice Schwarzer, die zweifelsohne viel für die Frauenrechte in Deutschland getan hat. Sie ist mit ihren Forderungen meist unangenehm und auch sehr radikal und wird dafür von allen Seiten auch seitens der Frauen stark kritisiert. Diese Eigenschaft ist einerseits eine bewundernswerte Stärke, andererseits aber kann man sie in manchen Situationen als kompromisslose Arroganz wahrnehmen. Ihre Kampagne PorNO! will erreichen, Pornographie gesetzlich neu zu definieren und gleichzeitig ein Verbot einzuführen. Sind die folgenden Punkte im Medium vorzufinden, wird es als Porno definiert und soll somit unter das Verbot fallen:

1. Die als Sexualobjekt dargestellten Frauen/Mädchen genießen Erniedrigung, Verletzung oder Schmerz.
2. Die als Sexualobjekte dargestellten Frauen/Mädchen werden vergewaltigt – vaginal, anal oder oral.
3. Die als Sexualobjekte dargestellten Frauen/Mädchen werden von Tieren oder Gegenständen in Vagina oder After penetriert
4. Die als Sexualobjekte dargestellten Frauen/Mädchen sind gefesselt, geschlagen, verletzt, misshandelt, verstümmelt, zerstückelt oder auf andere Weise Opfer von Zwang und Gewalt.

Auf den ersten Blick scheinen die Punkte nicht besonders weit hergeholt, bei genauerer Betrachtung wird jedoch Sadomasochismus und auch Selbstbefriedigung mit Gegenständen in Pornos “verboten”. Zumindestens ist das das Ziel der Aktion PorNO und auch Alice Schwarzers, die Pornographie allgemein als frauenerniedrigend einstuft. Dass diese Forderungen auch Feministinnen auf den Plan gerufen haben, ist angenehm, und so werden Gegner nicht gleich als Sexisten abgestempelt. Sex-positive Feministinnen nennen sie sich, die bekannteste Gruppierung ist Samois. Sie ist gleichzeitig auch die größte sadomasochistische Frauengruppe weltweit. Samois steht der von Alice Schwarzer vertretenen Position sehr kritisch gegenüber, insbesondere wegen der Forderungen, die sich in der Kampagne PorNO zeigen. Rückblickend fasst Gayle Rubin diesen inner-Feministischen Konflikt so zusammen:

“… Es gab zwei Richtungen feministischen Gedankengutes zu dem Thema. Die eine kritisierte die Beschränkung des weiblichen Sexualverhaltens und verwies auf den hohen Preis für das sexuelle Aktivsein. Diese Tradition feministischer Gedanken zum Thema Sex forderte eine sexuelle Befreiung die sowohl für Frauen als auch für Männer funktionieren sollte. Die zweite Richtung betrachtete die sexuelle Befreiung als inhärent bloße Ausweitung männlicher Vorrechte. In dieser Tradition schwingt der konservative antisexuelle Diskurs mit.”

Den Vorwurf an Alice Schwarzer, ihre Einstellung sei nicht mehr zeitgemäß und konservativ, kann ich nur zu gut nachvollziehen, trotz ihrer Verdienste. Neuere Forschungen zur Wirkung von Pornographie auf die Jugend und den Menschen zeigen, dass die Befürchtung, Pornographie führe zu Nachahmungseffekten (speziell im “härteren” Bereich), haltlos sind. Es scheint vielmehr die Wertschätzung für Frauen zu verbessern und zur Akzeptanz von Frauenbewegung zu führen, die bei den Pornoguckern sogar höher (!) sein soll als bei College-Studentinnen. Hierzu gibt es einen wunderbaren Aufsatz im Internet mit vielen Belegen und interessanten Fakten, die für jeden interessant sein dürften.

Jede Sekunde schauen 28,258 Internetnutzer einen Porno. Eine immense Zahl, die beweist, dass “Sex sells” nach wie vor gilt. Und das erst recht im Internet. Mit dem Internet hat sich ein riesengroße Vertriebsmöglichkeit von Pornofilmen aufgetan, der vorallem für scheue Kunden sehr interessant ist. Dass die Pornofirmen im Gegensatz zur Filmindustrie und Musikinsdustrie die Zeichen gesehen und auf das Internet gesetzt haben, ist allgemein bekannt. Das Internet besteht nicht umsonst zu 90% aus Pornos (Southpark). Der Pornoindustrie geht es trotz Hacks, ThePirateBay, Kazaa oder Rapidshare überraschend, zumindestens für Film- und Plattenindustrie, gut. Doch Pornofilme weichen nun immer mehr Clips, einer Aneinanderreihung von auf die sexuelle Handlung reduzierten Kurzfilmchen, als Pornofilm verkauft. Trotzdem gibt es immer noch die klassischen Pornofilme, mit den mehr oder weniger kreativen Namen, denen sogar 2007 ein Buch gewidmet wurde. Zu Recht haben die Autoren des Buches die Kreativität der Namen gelobt. Harry S. Morgan gehört in Deutschland zu den bekanntesten Pornoproduzenten und äußert sich in einem sehr lesenswerten Interview unter anderem zur Rolle der Frau in seinen Pornos und Pornographie allgemein:

[Splatting Image] Was hälst [sic!] Du von Gerard Damiano? DEEP THROAT, DEVIL IN MISS JONES, WATERPOWER …

[Harry S. Morgan] Ich fand die Filme zu brutal. Ich glaube, das war der Anfang der Ausbeutung der Frau. Ich halte den Film DEEP THROAT für kriminell. Er ist auch unter kriminellen Umständen gedreht worden: Die Frau ist ja echt gezwungen worden. Ich halte da gar nichts von. Ich zwinge keine Leute. Ich finde es unmöglich, daß man Menschen in ihrem Intimleben vergewaltigt. Es hat zwar oft den Anschein, daß man das als Pornofilmer tun würde, aber das stimmt nicht. Ich vergewaltige keine Frauen.

[Splatting Image] Bei Dir sind die Frauen dem Mann auch meist überlegen.

[Harry S. Morgan] Ich liebe Frauen, die dominieren! Ich liebe es! Weil es auch der Traum des Mannes ist. Der arbeitende Manager, der abends schlaff nach Hause kommt, träumt von der Frau, die die Initiative ergreift, weil er sich endlich mal hinlegen und sagen kann: ‘Ach schön, jetzt machst Du es mal!’ Also, ich liebe Frauen, die dominieren. Ich degradiere natürlich dadurch Männer zu reinen Schwanzträgern. Ich habe übrigens manchmal auch ‘ne schlechte Meinung über Männer. Ich sage immer wieder: Ein Mann, der ‘was im Kopf hat und sensibel ist, einer mit dem ich persönlich auch verkehren würde, wäre niemals Pornodarsteller; weil die Männer ihre Gedanken in ihrer Schwanzspitze haben; da haben die ihr Hirn drin, deswegen behandle ich sie auch so. Es gibt Ausnahmen, aber wenige.

Es wird besonders deutlich dass auch die Pornoindustrie nicht zwangsläufig ihren Klischees entspricht, auch wenn sie sich heute in eine Richtung entwickelt, die manche aufgrund ihrer Massenproduktion/-befriedigung aller Wünsche, als bedrohlich ansehen. Ob sie nun gefährlich oder harmlos ist, kann objektiv erst im Nachhinein bewertet werden, die aktuelle Bewertung der Entwicklung des Gesehenen muss der Zuschauer bzw. jeder für sich selbst treffen. Ab wann wird eine Frau zum Lustobjekt degradiert, das dem Zweck der sexuellen Stimulierung dient und ab wann wird eine Frau ihrem Wesen als Frau in einem Porno gerecht? Das sind Fragen die man sich selbst stellen sollte, denn sie entscheiden auch über das eigene Bild der Frau und ihrer Wertschätzung.

Bild: zintzen.org

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  1. Anscheinend will kein Mann sich die Blöße geben und da hier kommentieren. :)

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