Faulheit und Armut

Weil ich momentan unglaublich faul bin, gibts diesmal lediglich ein paar Links:

(via fefe)

dazu:

- ein recht langer Text von dem von mir sehr geschätzten Christoph Butterwegge aus der jungen Welt von heute: “Prinzip Reichtumsmehrung”

Zu den fatalen Folgen der Weltfinanzwirtschaftskrise dürften eine auf Rekordniveau steigende Arbeitslosigkeit, die zunehmende Verelendung von Millionen Menschen und eine dramatische Verschuldung aller Gebietskörperschaften des Staates, d.h. »öffentliche Armut« in einem ungeahnten Ausmaß gehören. Gleichzeitig wird sich der Reichtum noch stärker bei wenigen Kapitalmagnaten, Finanzinvestoren, Investmentbankern und Großgrundbesitzern sammeln, wenn man dem nicht energisch entgegensteuert. Während die das Krisendebakel wesentlich mit verursachenden Spekulanten mittels eines »Rettungsschirms« aufgefangen werden, müssen die Mittelschicht, Arbeitslose und Arme jene Suppe, die Banker und Börsianer der gesamten Bevölkerung eingebrockt haben, vermutlich einmal mehr auslöffeln. Wenn die privaten Banken den für sie bürgenden Staat zur Kasse bitten, wird für die sozial Benachteiligten und die wirklich Bedürftigen kaum noch Geld übrigbleiben. Zusammen mit der im Grundgesetz verankerten »Schuldenbremse« führen Bürgschaften und Kredite in Milliardenhöhe zu überstrapazierten Haushalten, wodurch sich »Sparmaßnahmen« natürlich eher als sonst legitimieren lassen. Die neue Bundesregierung wird vermutlich eine »Agenda 2020« auflegen und massive Kürzungen im Sozialbereich vornehmen.

- “Ein Mann wird kälter”, ein etwas älterer Schinken von Stefan Gärtner aus der Titanic (11/2002) – die kursiven Parts sind Zitate von Hans-Olaf Henkel

So gut unsere Vorsätze auch sind, den Henkelschen Ausführungen mit einem größtmöglichen Maß an Einfühlungsvermögen und Vorurteilsfreiheit zu begegnen: leicht macht er’s einem nicht. Denn so geschmeidig die Parataxen über zu teure Arbeit, zuviel Sozialkram, lähmende Betriebsräte und die Verteufelung des guten deutschen Leistungsgedankens dem ungeübten Leser auch ins Hirn fahren mögen, so durchsichtig ist der Versuch, das gute Argument nicht allein den Ideologen zu überlassen: Kein Wunder, daß die weltweite Informationsgesellschaft bei uns gerne als Ausgeburt des Großkapitals denunziert wird, genauso wie Fleischsalat aus der Packung, die Sommerzeit und das Spätprogramm von RTL2. Prompt belieferten [die Denunzianten] den Markt mit einer Flut von Büchern, die, auf PCs geschrieben und per E-Mail an die Verlage geschickt, gegen die Perversionen des Computerzeitalters polemisierten – ein halbes Königreich und meine noch nicht gezeugte Tochter für jeden, der die grundverheuchelte Linke ähnlich fehlerfrei decouvriert, ja zerschmettert. Aber bitte dabei nicht überarbeiten: Denn wer sich mehr bemüht als andere, gerät leicht in Mißkredit. Das beginnt schon an den Schulen, wo der Leistungswillige als “Streber” denunziert wird – ein Wort übrigens, das sich nicht ins Englische übersetzen läßt, es sei denn, man hat Langenscheidts Großes Schulwörterbuch zur Hand, welches unter jenem Lemma immerhin sechs Einträge hat. Sei’s drum.

- “Eigentum ist Landraub“, feynsinn vom Dienstag

Die Menschheit ist, statistisch betrachtet, unerhört reich. Dieser Reichtum muß organisiert werden. Ob einige reicher sind als andere, das interessiert nicht einmal die letzten Leninisten. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, daß die kapitalistische Organisation der Welt und ihrer extremistischen Kollateralerscheinungen zum globalen Horror avanciert. Die Menschheit ist besessen vom Eigentum. Die einen, weil sie glauben, ihnen gehörte ganz allein das Brot von Hunderttausenden, die anderen, weil sie glauben, wenn sie ihr Leben opferten, gehörte ihnen ein Land im Jenseits.

Was ist so schwer daran, eine menschliche Gesellschaft organisieren zu wollen, die weniger Eigen und mehr Miteinander kennt?

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