Articles by kricke

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Die meisten werden ihn bereits gesehen haben: den blauen Facebook-”Gefällt-mir”-Button, den viele Blogs und Nachrichtenportale neuerdings unter ihre Artikel setzen. Der Sinn dieses “Web-2.0″-Gadgets soll wohl sein, dass begeisterte Leser ihre Facebook-Freunde bequem auf Beiträge aufmerksam machen können, die sie lesenswert finden. Soweit, so (eigentlich) egal. Im Facebook-Neusprech heißt das Lesenswertfinden jedoch immer “gefällt mir”, wodurch dann die makabere Situation entstehen kann, dass unter der Meldung, dass bei der Loveparade 19 Menschen gestorben und Dutzende verletzt seien, der freundliche Facebook-Button prangt, der verkündet, dies gefalle 17 Personen.

Das eigentlich Schlimme ist jedoch, dass die Facebook-Buttons als iFrames in die oben beschriebenen Websites eingebunden werden. Konkret bedeutet das: Mit jedem Aufruf eines Artikels, der einem gefallen kann, wird eine Verbindung zu Facebook aufgebaut. Ist man bei diesem eingeloggt, können die netten Onkels vom Facebook-Konzern also über ihre eigene Website hinaus verfolgen, wo sich ihre Nutzer im Netz so herumtreiben. Keine angenehme Vorstellung, wenn man sich vor Augen hält, dass Facebook wegen seines Umgangs mit privaten Userdaten permanent in der Kritik steht.

Wer Firefox und Adblock Plus hat, kann den Kram folgendermaßen durch die Eingabe folgendes Filters entfernen (“Adblock Plus – Einstellungen” – Filter – Filter hinzufügen):

|http://www.facebook.com/plugins/like.php?*

Eigentlich müsste man natürlich, wenn man konsequent wäre, seinen Account bei Facebook löschen, um deren Datensammelei zu entgehen. Aber das wäre in der momentanen Situation, in der Facebook quasi ein Monopol unter den sozialen Netzwerken innehat (zumindest in meinem Bekanntenkreis), ein Schritt in Richtung Isolation. Im Gegensatz zum Blockieren der schwachsinnigen Buttons.

Update: Es scheint noch weitere Varianten zu geben, die sich mit folgenden Filtern blocken lassen…

|http://www.facebook.com/plugins/comments.php?*
|http://www.facebook.com/plugins/likebox.php?*

4 Personen gefällt das.

Nächstes Mal

Nach der WM ist vor der WM. Aber wie wird das eigentlich nächstes Mal, 2014 in Brasilien, wenn es aus unserer Sicht minus fünf Stunden Zeitverschiebung sind? Die “abendlichen” Spiele wären dann von halb zwei bis Viertel nach drei nachts. Mit Public Viewing, Vuvuzela-Getröte (?) und Autokorso bis zur Morgendämmerung? Das wird ein Spaß!

Während das Krakenorakel Paul sich für Spanien ausgesprochen hat, prophezeit das Redaktionsorakel der Titanic einen Sieg der deutschen Mannschaft. Beide lagen bei dieser WM bisher immer richtig. Was wird also heute Abend passieren? elf Stunden Spielzeit, wie neulich in Wimbledon? Oder behält am Ende doch der Oktopus Recht? Die Spannung steigt.

Ein Glanzstück des investigativen Journalismus schickte diese Woche Report München in den Äther. Thema ist die seit dem letzten Jahr wahrhaftig explodierte linke Gewalt, die ja so gerne “verharmlost” wird, getreu dem Motto “kann ja mal passieren”, wie uns die Moderatorin einleitend aufklärt. Genau so erhellend sind die aufgedeckten Verbindungen zwischen Linkspartei und autonomen Chaoten. (Nehmen an den gleichen Demos teil, Ulla Jelpke will sich vor laufender Kamera nicht äußern(!) und ähnlich erschreckende Fakten…) Zum Glück gibt es noch Fernsehbeiträge, die nicht mit reißerischer Weltuntergangsstimme vorgetragen werden und sich den wirklich drängenden Problemen unserer Gesellschaft widmen, danke Report München!

Report München: Linke Gewalt (via redblog)

Außerdem zum Thema:

Dass Kult keineswegs mit Hype gleichzusetzen ist, und dass knapp 30 Jahre Bandgeschichte keineswegs verbraucht daherkommen müssen, haben Slayer gestern Abend im Schlachthof klargestellt. Nach zweimaliger Verschiebung um insgesamt siebeneinhalb Monate, bedingt durch Frontmannbassist Tom Arayas Rückenprobleme, die, wie jeder Orthopäde mit tadelndem Blick bestätigen würde, natürlich von jahrzehntelangem übermäßigem Headbangen herrühren, fand das Konzert dann doch endlich noch statt, einer Metallplatte in Arayas Nacken sei Dank. Als Vorband kam Daath hinzu, neben den ursprünglich bereits angekündigten Schweden von The Haunted.

Tom Araya: “We usually play big festivals when we tour Europe, and this time we thought it would be great to play the kind of small, sweaty halls we played when we were first starting out.”

Eine treffende Beschreibung des Schlachthofs, in dem es im Laufe des Konzerts gestern in der Tat ziemlich heiß wurde.1 Spätestens nach Raining Blood konnte man dank zahlreicher leicht dehydrierter Fans, die taumelnd den Weg zur Bar antraten, recht bequem weit nach vorne, bis fast an die Bühne heran, obwohl noch weitere Kracher wie World Painted Blood und Angel of Death auf dem Programm standen. Alles in allem ein gelungener Abend also, voll mit Thrashmetal direkt auf die zwölf, und das trotz der am Ende etwas angeschlagenen Stimme Arayas und der mittlerweile auf 30 Euro angehobenen T-Shirt-Preise. Wobei ich nach Erwerb eines ebensolchen feststellen musste, dass die Amis es nichtmal gebacken kriegen, “Wiesbaden” richtig zu schreiben, und das trotz ortsansässiger Airbase – sei’s drum, “Weisbaden” ist wohl deutlich trve-er. In diesem Sinne: SLAAAYEEER!

  1. Ganz im Gegensatz zum “big festival” Rock am Ring, bei dem der Slayer-Auftritt dieses Jahr mehrheitlicher Metal-Analphabeten im Publikum ziemlich stimmungslos über die Bühne ging. []

"Sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht."

Was für ein Wahlkrimi! Und doch hat Joachim Gauck, wahlweise auch “der bessere Präsident” oder “der deutsche Obama” (Spiegel bzw. dessen Online-Ableger), nicht vermocht, den von höchster Stelle designierten Parteisoldaten Wulff zu schlagen. Und wer ist schuld? Natürlich die Linke, wie gestern und heute erwartungsgemäß zu hören war. Irgendein Grünen-Vertreter, dessen Namen ich leider vergessen habe, sagte heute im HR, es habe sich gezeigt, dass die Linke “auch 20 Jahre nach der Wende” nicht in der Lage sei, einen zu wählen, der in der DDR “auf der anderen Seite” gestanden habe, damit sei also klar geworden, dass Linke, SPD und Grüne nicht als gemeinsames Lager angesehen werden könnten usw. usf.

Verdammt noch mal, denkt man sich, worum ging es gestern überhaupt? Nachdem es schon bei den Koalitionsverhandlungen in NRW fast ausschließlich um den vor 20 Jahren verblichenen, zweiten deutschen Staat zu gehen schien, wurde nun also auch die Bundespräsidentenwahl zum DDR-History-Politthriller. Dass es für eine linke Partei ein No-Go ist und auch sein muss, einen zu wählen, der die Nato-Kriege in Jugoslawien, im Irak und in Afghanistan befürwortet (hat), für den soziale Gerechtigkeit eine Bedrohung der “Freiheit” (vgl. auch das hier) zu sein scheint, und der sich zuweilen auch durch äußert fragwürdige Ansichten zur deutschen Geschichte auszeichnet (siehe dazu diesen Artikel aus den “Blättern”), all das scheint in der Diskussion keine Rolle zu spielen. Die Reduzierung Gaucks auf seine Rolle als ehemaliger Leiter der damals nach ihm benannten Behörde ist ungefähr so platt, als würde man SPD und Grünen vorwerfen, sie hätten ein gestörtes Verhältnis zu Frauen, weil sie mit Luc Jochimsen die erste Frau zur Bundespräsidentin hätten machen können. Klingt doof? Ist es ja auch.

Bleibt nur noch die Frage, wer jetzt eigentlich “unser” neues Staatsoberhaupt ist. Ein politisch bisher völlig akzentloser “Wohlfühl”-Wahlkämpfer, Krawattenmann des Jahres 2006, der in bester Hans-Werner-Sinn-Manier Managerkritik mit “Pogromen” vergleicht, Unterstützer des Fundi-Vereins “ProChrist – kurzum einer, wie man ihn von der CDU erwartet, und wie er unseren Staat nicht besser repräsentieren könnte. Wäre sein Vorname nicht “Christian”, könnte man sagen: ein würdiger neuer Bundeshorst.

np: Farin Urlaub – Zu heiß

Bild: geklaut vom Spiegelfechter

Im Bild (v.l.n.r.): Erklärbär Buhrow, das doitsche Sparschwein, Prasser Obama

Im Bild (v.l.n.r.): Erklärbär Buhrow, das doitsche Sparschwein, Prasser Obama

Ob Tagesschausprecher Tom Buhrow wirklich ein derart schlechter Propagandafritze oder doch nur ein unterbelichtetes ökonomisches Milchmädchen ist, weiß ich nicht. So oder so passt dieses Beispiel von gebührenfinanzierter Zuschauerverblödung ausgezeichnet ins Muster der unsäglichen Dauer-Hofberichterstattung zugunsten “unserer” Kanzlerin. Worum geht es, wenn St. Angela in Toronto den US-Präsidenten trifft?

“… um die Gretchenfrage: Sparen oder Prassen?”

So weiß es zumindest Buhrow in den Tagesthemen (Minute 11:56). Da schwillt dem guten Deutschen vor Ehrfurcht die patriotische Brust. Unsere uckermärkisch-schwäbische Hausfrau erklärt dem spätrömisch-dekadenten Prasser Obama, wie solide Haushaltsführung auszusehen hat. Sparen, was das Zeug hält, natürlich nicht bei Panzern oder Banken-Bailouts, sondern da, wo es an die Substanz geht: bei Hartzern und ähnlichem Gesocks. Denn Konjunkturbelebung ist Prasserei. Es lebe der Neoliberalismus!

(via Nachdenkseiten, Screenshot: tagesschau.de)

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