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Wer beleidigt, will provozieren. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Eine Beleidigung soll nach Möglichkeit Aufmerksamkeit erzeugen und, zumindest wenn sie nicht scherzhaft gemeint ist, treffen, runtermachen, verletzen. Dabei unterliegen Schimpfwörter, genau wie alles andere auch, sehr stark gesellschaftlichen Trends. Sehr etabliert waren lange Zeit die Dauerbrenner “Hurensohn” und, etwas subtiler, “Lauch”. Diese Beleidigungen sind ebenso pointiert wie zweckmäßig und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Ein zeitloses Patentrezept beim Beleidigen ist es, Personen, die dem Beleidigten emotional nahe stehen, anzugreifen. Besonders geeignet ist dafür die Mutter. Jeder hat eine, und (fast) jeder liebt seine eigene Mutter, sodass das Niedermachen dieser fast immer den gewünschten Erfolg erzielt. Auch wenn das Beleidigen eigentlich unbeteiligter Mütter diesen gegenüber natürlich ziemlich unfair ist, besteht ein gewisser Konsens, dass man es trotzdem tut, wodurch das Ganze doch wieder fair ist. Die Mütter können notfalls natürlich die Mutter des sie Beleidigenden zurückbeleidigen. So weit, so gut.

Schaut man sich jedoch die in letzter Zeit gängigen, “jungen” Beleidigungen an, kann einem schon die Kotze hochkommen. Ich meine, dass es jetzt anscheinend voll im Trend liegt, das Wort “Jude” als Schimpfwort zu benutzen. “Der Jude hat mich gejudet ey, voll jüdisch”. Klar, jeder macht es. Arschlöcher, nette Leute, jeder halt. Und jetzt mal ehrlich, diese ewige Politische Korrektheit ist doch voll verklemmt. Was hat unsere Generation denn noch mit dem Hitlerzeug da zu tun? So sieht anscheinend die Rebellion einer geistig vollständig verkommenen Generation aus. Anstatt sich gegen die tatsächlich vorhandene, allgegenwärtige Scheiße aufzulehnen, greift man den ohnehin spärlichen, antifaschistischen Konsens, den es in der deutschen Öffentlichkeit gibt, an, indem man den “tapferen” Tabubruch begeht, endlich mal wieder gehörig über die “Drecksjuden” zu lästern.

Wer sowas sagt, wird komisch angeguckt. Moralapostel. Ist doch alles nur Spaß. Haha. Und die anderen Top-Beleidigungen auch. Voll schwul, diese Kanaken. Total behindert. Irgendwie beängstigend: alle der beliebtesten Beleidigungen sind Feindbilder der Nazis. Wenn das der Führer wüsste… er wäre sicherlich ganz außer sich vor Verzückung. Vielleicht übertreibe ich, und es ist alles nur ein Trend. Sicherlich haben viele derjenigen, die so beleidigen, wirklich nichts gegen Juden. Ich bin kein Psychologe. Was geht in Hirnen vor, die nach einer Beleidigung, also nach dem Ausdruck von etwas Schlechtem suchen, und dann nur bei Juden, Behinderten und “Kanaken” landen? Bleibt da was hängen? Eines ist sicher. Wirkliche Nazis werden wieder gesellschaftsfähig. Was soll man denn noch jemandem entgegenhalten, der öffentlich über Juden lästert, wenn das “jeder tut”? Und zu guter letzt: Was sollen die Juden dabei denken, fühlen? Die Behinderten?

Ich jedenfalls halte mich lieber an die uncoolen, politisch korrekten Beleidigungen und beschimpfe Leute gepflegt als Hurensohn, Lauch oder Schmock. Oder eben als Drecksfaschist.

np: Wizo – Raum der Zeit

Jetzt, wo du tatsächlich den Abgang machst, ist das ganz anders, als man es sich immer vorgestellt hat. Fast kommt mir es so vor, als ob wir dich vermissen werden. Nicht dass sich jetzt irgendetwas ändern würde. Denn der nächste, der genau so ist, steht schon parat. Bouffier, heißt es. Um zukünftige Ausländerbashing- und “Kommunisten stoppen”-Aktionen müssen wir uns also keine Sorgen machen. An Armleuchtern mangelt es der Hessen-CDU wahrlich nicht. Trotzdem wirst du uns fehlen. Einen Unsympathen wie dich muss man erstmal finden. Mach’s gut, und viel Spaß in der Wirtschaft.

Hallo, gehts noch?

Heute morgen beim Frühstücken entdeckt, dass in den Löchern des in Scheiben geschnittenen und in Plastikpäckchen abgepackten Käses so eine Art Gegenstücke zu den Löchern drin waren. Also so, als wären die Löcher mit einem Stanzgerät ausgestanzt worden, mutmaßlich einem runden Metallrohr, mit scharfer Kante, wie manche Leute es auch verwenden, um das Kerngehäuse eines Apfels herauszulochen. Die Frage ist jetzt, was dreister ist: Dass die Löcher unecht sind und nur ausgestanzt werden, oder dass der Lochverschnitt im Käse vergessen wurde. Werde in Zukunft mit Argusaugen darüber wachen, ob die Lochkonstellationen in den Käsescheiben Rückschlüsse auf die genaueren Umstände dieses Konsumentenbetrugs zulassen.

Pass auf, Alnatura!

Ich lese gerade den “Hass auf den Westen” von Jean Ziegler, dem globalisierungskritischen Urgestein. Ein angenehm zu lesendes, und dabei gleichermaßen informatives und beschämendes Buch, wie ich finde. Thema ist, wie anhand des Titels bereits zu erahnen, der in den Ländern des Südens verbreitete, berechtigte Hass auf den die Welt beherrschenden Okzident, auf dessen Skrupellosigkeit und Arroganz, und seine zahlreichen Ursachen. Eine Stelle ist so schön, dass ich sie hier zitieren will. Es geht um Bolivien.

In der Morgendämmerung des 1. Mai 2006 startete in EL Alto, dem Flugplatz von La Paz, ein bolivianisches Militärflugzeug, das das gesamte Kabinett beförderte, mit Kurs auf das Erdgasfeld Carapari, das 1200 Kilometer südlich von La Paz liegt. Als der Präsident an das Tor der Förderanlagen San Alberto gelangte, kam der Direktor herbeigelaufen und fragte den Präsidenten, welches der Gasfelder er besichtigen wolle.

Evo Morales lächelte ihn an und erwiderte: “Ich bin nicht zu Besuch hier, sondern um – im Namen des bolivianischen Volkes – die Kontrolle über ihre Anlagen zu übernehmen.”

Bolivien ist in einer Welt voller Scheiße momentan in der Tat eines der wenigen Beispiele für eine erfreuliche politische Entwicklung. Natürlich ist die Bevölkerung des Landes nach wie vor größtenteils bettelarm. Und doch ringt Morales’ Politik und sein Kampf gegen die Armut selbst dem eigentlich eher als neoliberalen Rammbock bekannten Internationalen Währungsfonds (IWF) Respekt ab. (Siehe den Artikel Musterland Bolivien aus der jungen Welt)

Matt Kennard schrieb letzten Monat im guardian über den “beacon of hope”:

There’s a game I’ve been playing recently. Any time I read the news and get depressed about the parlous state of our world, I type “Bolivia” into Google news and wait for the results. It’s really all you need to brighten up your day.

Ergänzend zu den Google News kann man natürlich auch das Blog Bolivia von unserem Freund Janis lesen.

Freiheit stinkt

Dass Obama seine Gesundheitsreform allen Widerständen zum Trotz durchgebracht hat, ist eine beachtliche Leistung. Ein historisches Ereignis, kann man sagen, auch wenn man die Reform aufgrund verschiedener Zugeständnisse, so zum Beispiel den Ausschluss der illegal immigrants, als verwässert, oder wie ich sogar sagen würde: entkernt, bezeichnen muss. Gleichzeitig nimmt der Protest dagegen zunehmend beängstigende Formen an. Eingeworfene Fensterscheiben, durchgeschnittene Gasleitungen, Morddrohungen gegen Kinder von Kongress-Mitgliedern (siehe tagesschau.de) – langsam drehen die Obamagegner, um es zynisch zu sagen, wirklich etwas am Rad. Angeheizt werden diese meist tiefreligiösen Spinner nicht zuletzt von den Demagogen der Republikanischen Partei. Der Soziologe Norman Birnbaum schrieb in der Februarausgabe der Blätter dazu:

Mittlerweile machen allerdings politische und religiöse Fundamentalisten mindestens ein Viertel der US-Bevölkerung aus. Sie halten den Klimawandel für eine Erfindung überheblicher Wissenschaftler, stoßen sich an jedem, der zu offensichtlich selbstständig denkt, halten Regierung und Staat für bedrohliche Zwangsanstalten, reagieren auf die Einwanderung mit Fremdenfeindlichkeit und weigern sich, die Legitimität des Präsidenten anzuerkennen. In einer (trotz aller Appelle Barack Obamas an die Vernunft) durch scharfe politische Polarisierung gekennzeichneten Situation stellen diese Leute die politische Manövriermasse der Republikaner dar. Angesichts eines solchen Potentials hat die Republikanische Partei sich entschieden, auf die politische Vernichtung des Präsidenten hinzuarbeiten.

Worauf will ich hinaus? Auffällig ist dabei, dass diese vollkommen indoktrinierten und politisch verblendeten Horden, die in bester antikommunistischer Tradition in ihrem Präsidenten wahlweise einen Hitler, einen Mao oder Stalin erkennen (die ja schließlich alle “socialists” waren, und damit per se gleichzusetzen sind), sich in nahezu kriminell hartnäckiger Blödheit auf einen vermeintlichen Grundwert ihres Systems berufen: Freiheit. Der kalte Krieg sitzt immer noch tief in den Köpfen: Freiheit versus Sozialismus ist das zentrale Motiv aller politischen Konflikte. Health care für alle ist tendenziell sozialistisch, ergo: eine Bedrohung für die Freiheit.

Die Frage, was denn daran Freiheit sein soll, wenn einer im reichsten Land der Welt aus dem Gesundheitssystem ausgeschlossen wird, weil er arbeitslos ist, oder ein “illegaler Mexikaner” oder auch schlicht ein armer Teufel, der sein Leben in den Sand gesetzt hat und obdachlos ist – nicht selten auch alles gleichzeitig –, muss man mit diesen Leuten nicht diskutieren. Freiheit ist die Freiheit, sich im Walmart eine Shotgun zu kaufen, und zur Freiheit gehört die gottverdammte Freiheit, inmitten dieser kapitalistischen Glitzerwelt zu verrecken, nun mal dazu. Das Leben ist kein Ponyhof, außerdem steht der Islamismus ante portas, und im Krieg werden keine Kompromisse gemacht.

Das Phänomen, dass der Begriff “Freiheit” so eine Art Erkennungszeichen von rechtsgerichteten Hitzköpfen geworden ist, ist natürlich kein neues, und auf gar keinen Fall ein speziell amerikanisches. Gerade in Europa stellt er im Zuge des aktuell stattfindenden massiven Rechtsrucks ein wichtiges Schlagwort da. Freiheitskämpfer schießen wie Pilze aus dem Boden. Wo früher der Russe “unsere” Freiheit bedrohte, gibt es heute längst einen neuen Sündenbock Nummer eins: den Islam. Die vermeintliche Bedrohung gibt allerlei merkbefreiten Gestalten Gelegenheit zur Profilierung. Die österreichische FPÖ, groß geworden unter der Schirmherrschaft des mittlerweile verblichenen Hobbyrennfahrers Jörg Haider, gibt es schon länger. Letztes Jahr gründete Berlusconi in Italien die Fusionspartei Popolo della Libertà, zu deutsch: Volk der Freiheit. Die Partei des holländischen Volksverhetzers Geert Wilders heißt Partij voor de Vrijheid, überflüssig zu sagen, was das heißen soll. Und in Deutschland? Hier gibt es die in rechten Kreisen renommierte Wochenzeitung Junge Freiheit, die deutschnationalen bis rechtsradikalen Positionen eine intellektuelle Fassade zu verpassen versucht.

Aufmerksamkeit verdient an dieser Stelle auch unser Lieblingsschreihals Westerwelle, die selbsternannte Freiheitsstatue. Der ist zwar nicht fremdenfeindlich, das hält ihn aber noch lange nicht davon ab, Teile der Bevölkerung, die sowieso zu den Schwächsten gehören und sozial am Rande der Gesellschaft stehen, zu diffamieren und zum Sündenbock zu machen. Wie sich das für einen Rechtspopulisten gehört, betont der Freidemokrat dabei stets, unangenehme Wahrheiten auszusprechen, die der “linke Zeitgeist” normalerweise wegzensiere. Ja ja, der linke Zeitgeist – überall Achtundsechziger und stalinistische Multikulti-Arbeitslosenversteher, die die Medien längst unterwandert haben. Es ist die selbe trübe Suppe, die man seit Jahren auch von Berlusconi zu hören bekommt.

Wie konnte es soweit kommen, dass ein ehemals emanzipatorischer Begriff wie “Freiheit” zur billigen Munition geistiger Brandstifter wurde? Der Begriff stinkt mittlerweile. Es wird deutlich, dass politische Konflikte immer zum großen Teil ein Kampf um die Bedeutung von Wörtern ist. George Orwell hat das in 1984 auf die Spitze getrieben: Wenn Begriffe wie “Freiheit” oder “Gleichheit” systematisch ihrer fortschrittlichen Bedeutung beraubt werden, werden zukünftige Generationen vielleicht nicht einmal mehr in der Lage sein, solche progressiven Gedanken zu denken. Ein beängstigendes Szenario. Den Schaden, den der Begriff “Freiheit” durch jahrzehntelange Vereinnahmung durch Antikommunisten – Neoliberale, Neocons und seit neuestem sogar Nazis – genommen hat, zu reparieren, wird einiger Aufwand sein. Es ist die Sache wert. Denn sollte nicht größtmögliche Freiheit für alle das Ziel allen menschlichen Strebens sein?

Bild: “freedom is a toilet issue” von ruSSeLL hiGGs auf flickr

Lieber CDU-Kreisverband Main-Taunus…

Wie sollen wir das verstehen, dass an eurer Filiale in der Hattersheimer Straße momentan nur noch die beiden Buchstaben C und U leuchten? Soll das eine verhöhnende Botschaft (“See you”) an die vom “Hessen-Hitler” (Titanic) abgeschobenen Migranten sein? Oder habt ihr mittlerweile doch eingesehen, dass eure Partei mit Volksherrschaft nichts am Hut hat, also mit anderen Worten: die Demokratie aus ist?

Haha!

Was nun?

Wie der eine oder andere vielleicht gemerkt hat, war hier in der letzten Zeit nicht allzuviel los, also eigentlich niente, nichts. Das hat natürlich mehrere Gründe, die sich im großen und ganzen unter dem Begriff “Faulheit” zusammenfassen lassen. Tut uns Leid, nicht hauen bitte! Immerhin, unser Alibi heißt Abi ― die letzte Zeit war doch ziemlich stressig, ein ewiger Zyklus von Aufputschung (Fresh Pots) und Mind Eraser (Bier). Jetzt sind die Klausuren aber geschrieben, und die Köpfe wieder frei, so steht dem Tatendrang also nichts mehr im Wege. Alles andere wäre ja auch schlimm, denn die Welt dreht sich ständig weiter. Wer hätte vor drei Monaten gedacht, dass der junge Guido W. innerhalb kürzester Zeit bis tief in die bürgerliche Presse zur absoluten Lachnummer avancieren würde? Dass der Winter derart sibirisch werden würde? Oder dass ich nach sicherlich mindestens einem Jahrzehnt wieder tierisch Bock auf Siedler III haben würde?

Nun also zum Ernst des Lebens. Es gilt die Pommesbuden zu verstaatlichen.

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