Während in Italien weiße Weihnachten gefeiert werden, verbietet die Schweiz den Bau von Minaretten. Und in Polen wird der Erwerb und Besitz von kommunistischen Symbolen unter Androhung von bis zu zwei Jahren Haft verboten. Ein merkwürdiger Wind ist es, der momentan durch Europa weht.
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Ein weiteres Armutszeugnis in Sachen Moral und Niveau ist der Umgang unserer Medienlandschaft mit dem Selbstmord des Torhüters Robert Enke. Was in Robert Enke vorging, weiß niemand, was dagegen in den verantwortlichen Redakteuren vorgeht, kann man sich denken: “Geil, wieder ein Prominenter tot!” Eine persönliche Tragödie als Medienspektakel – im Falle von Selbstmorden ist das nicht nur moralisch äußerst fragwürdig, sondern schlicht fahrlässig, denn dort gibt es den sogenannten Werther-Effekt.
Als Werther-Effekt wird in der Medienwirkungsforschung das durch wissenschaftliche Studien belegte Phänomen bezeichnet, dass Suizide, über die in den Medien ausführlich berichtet wird, eine signifikante Zahl von Nachahmungstaten auslösen. (wiki)
Einen ausführlichen Artikel dazu gibt es beim Spiegelfechter. Eine besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle die Frankfurter Rundschau, die den makaberen Medienzirkus auf die Spitze treibt. Mit Sicherheit sind andere Medien noch schlimmer, aber für mich ist das eine persönliche Enttäuschung, weil ich lange große Stücke auf die FR gehalten habe, und es besonders traurig finde, den Niedergang dieser Zeitung beobachten zu müssen.
Da wird der Suizid als Thema des Tages auf insgesamt sieben Seiten ausgeschlachtet, auf eine Art und Weise, die als Musterbeispiel in ein journalistisches Lehrbuch aufgenommen werden könnte – “wie erzeugt man einen möglichst großen Werther-Effekt”.
Am 10. November 2009 um kurz nach 18 Uhr parkt Enke seinen Geländewagen in der Nähe eines Bahnübergangs bei Neustadt. Er wirft sich gegen 18.25 Uhr vor einen Regionalzug.
Diese absolut nichtssagenden Details werden nicht nur in einem reißerischen “Info”-Kasten an den Leser gebracht, nein, das Ganze wird im Artikel über mehrere Absätze detailliert ausgewalzt. Der Artikel endet mit den Worten “Danke Robert. Und halt das Himmelstor sauber!” Der Gipfel der Scheinheiligkeit folgt auf der nächsten Seite.
Besonders fürchten die Bahner nun den “Werther-Effekt”. Bei prominenten Selbstmördern häufen sich die Nachahmer wie nach dem Erscheinen von Goethes Roman.
Dabei wird das zentrale Element des Werther-Effekts natürlich weggelassen: die Medienberichterstattung. Das ist wirklich unterstes Niveau.
P.S.: Mir ist dabei bewusst, dass sich bei meiner Kritik die Katze ein wenig selbst in den Schwanz beißt, denn schließlich handelt dieser Eintrag auch von Enkes Selbstmord. Das lässt sich leider nicht vermeiden.
Unsere Demokratie ist eine ziemlich frustrierende Veranstaltung. Egal was man ankreuzt, irgendwie kommt am Ende immer Schwarz-Gelb raus. Und wenn das Volk sich mal verwählt und eine Mehrheit jenseits des bürgerlichen Lagers generiert, dann kommt trotzdem Schwarz-Gelb raus. So zum Beispiel in Gestalt einer rot-grünen Bundesregierung, die, kaum an der Macht, die sozialromantischen Hosen herunterließ und die neoliberale Abrissbirne auspackte. Zwar verspielte die SPD damit ihre Glaubwürdigkeit für die nächsten drölfzig Jahre, aber Glaubwürdigkeit erwartet sowieso keiner mehr, und so gelang es der Partei mit kleiner Hilfe einer Jahrhundertflut, einem sich rechtzeitig anbahnenden Raubzug im Mittleren Osten und einer gehörigen Portion Gasgerd-Charisma sogar, sich wiederwählen zu lassen, bevor sie 2005 zur offensichtlichen Mehrheitsbeschafferin der CDU degenerierte und dafür im September die langverdiente schallende Ohrfeige kassiert hat.
Die SPD ist unwählbar. Aber – hey! – es gibt doch Alternativen. Gibt ja noch ganz viele andere tolle Parteien, die man wählen kann, z.B. die Grünen. Gut, das mit der Schröder-Zeit, darf man jetzt nicht so eng sehen, ist länger her und heute voll anders. Mag sein. Die Grünen haben sich in den letzten Jahren natürlich verändert, die Frage ist allerdings, ob das zum Besseren geschah. Wenn ein Hubert Ulrich, Grünen-Chef des Saarlandes, ein Wahlergebnis zugunsten einer rot-rot-grünen Regierung zum Anlass nimmt, eine Jamaika-Koalition einzugehen, mit der Begründung, dass der fiese Lafontaine die Grünen mit dem Verdacht gemobbt hätte, sie würden nach der Wahl eine Jamaika-Koalition eingehen, was ja bei Lichte betrachtet nichts anderes als die Wahrheit gewesen ist, dann kommt das einem ein wenig spanisch vor. Wenn man dann liest, dass besagter Hubert Ulrich früher illegal mit preisreduzierten Dienstwagen gedealt hat, dass sein enorm großer Ortsverband, dem er im Wesentlichen sein Amt verdankt, zu großen Teilen aus Karteileichen besteht, und dass sein Vorgesetzter, der ihm bis zum Oktober ein ordentliches Zusatzgehalt bescherte, ein hohes Tier in der Saar-FDP ist, dann findet man dafür nur noch einen Begriff: Korruption. (mehr dazu auf Telepolis)
Koalitionen mit der Linkspartei werden auf Bundesebene fleißig ausgeschlossen, solange sie nicht die wesentlichen Punkte, die sie vom politischen Mainstream unterscheiden, fallen lässt. Aber selbst wenn die Linke es irgendwann zu einer Regierungsbeteiligung bringen sollte, besteht wenig Hoffnung, dass sich wirklich etwas ändern würde. Momentan demonstriert die Waffen-SS… äh Linkspartei in Brandenburg, dass das Brechen von Wahlversprechen keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal der SPD ist. Wer in Brandenburg auf einen Politikwechsel mit Rot-Rot gehofft hat, der hat allen Grund zur Enttäuschung. In fast allen Punkten, insbesondere der Frage der Braunkohleförderung, ist kaum ein Unterschied zwischen schwarz-roter Regierungspraxis und rot-rotem Koalitionsvertrag erkennbar. Und das, obwohl die Linke in Brandenburg keine kleine Randpartei ist, sondern es auf 27 Prozent der Stimmen gebracht hat.
Immerhin muss man der Linkspartei noch anrechnen, dass der Koalitionsvertrag jetzt für massive parteiinterne Zerwürfnisse sorgt. Von verschiedenen Seiten, unter anderem vom Bundesvorstand, hagelt es Kritik, Nachverhandlungen werden gefordert. Ganz anders die Grünen, wo die mafiösen Machenschaften des Herrn Ulrich niemanden wirklich zu jucken scheinen. Zynisch könnte man wohl sagen: Die Grünen haben den Marsch durch die Institutionen abgeschlossen und sind in der schwarz-gelben Realität unserer Bananenrepublik angekommen. Der Linkspartei steht das noch bevor.
Bild: Caro Wallis auf flickr.com
Ich gebe zu, ich habe keine Ahnung von Typographie. Doch manchmal kommt es ja auch vor, dass man als Laie ein gewisses, dumpfes Gefühl, einen Gedanken über etwas in sich trägt, und dann eines Tages, wenn man diesen Gedanken irgendwo artikuliert sieht, wozu man selbst aufgrund der eigenen Laienhaftigkeit nicht in der Lage war, fällt es einem wie Serifen von den Augen.
Es verfolgt einen überall, es gibt kein Entrinnen davor, keinen Ort im Alltag, wo es einem nicht mit beißender Brutalität ins Auge springen würde. Dieses Gefühl, dass sich einem die Fußnägel hochrollen, Schwindel, Übelkeit, Ekel, man möchte schreien, hat Angst, für verrückt gehalten zu werden, weil eine unaufhaltsam scheinende, erdrückende Mehrheit von Leuten kontaminiert zu sein scheint, die Gehirne längst im Schleudergang gewaschen, von dieser Ausgeburt der typographischen Hölle.
Ja, die Rede ist von Comic Sans. 1994 für Microsoft – die Wurzel vielen Übels – entwickelt, begann diese Schriftart mit furchtbarer Unerbittlichkeit ihren Weg zur Weltherrschaft. Das besondere an Comic Sans ist nicht in erster Linie das idiotische Aussehen, das gibt es bei vielen Schriftarten, sondern die exzessive, ausufernde Benutzung. Kaum ein am Computer erstelltes Hinweisschild für ein defektes Damen-WC, kaum ein Mathe-Arbeitsblatt unserer LK-Lehrerin, kein Praktikumsbericht aus der neunten Klasse mehr, der nicht in diesem Fonttype verfasst wurde.
Ist denn alles verloren? Nein. Es formiert sich Widerstand. Die Initiative Ban Comic Sans kämpft für ein Verbot dieser Schriftart.
While we recognize the font may be appropriate in a few specific instances, our position is that the only effective means of ending this epidemic of abuse is to completely ban Comic Sans.
Zu diesem Zweck wurde eine Online-Petition ins Leben gerufen. Die Forderung nach einem Verbot mag radikal erscheinen, aber wie soll der Augenkrebs-Epidemie sonst Einhalt geboten werden? Es ist schlicht die einzige Möglichkeit. Wer noch nicht überzeugt sein sollte, dem sei folgendes Video empfohlen: “Comic Sans” von Sam and Anita.
Laut Prognosen liegt die CDU bei 8,5 bis 11,5 Prozent, während die Sozialisten die Wahl klar für sich entscheiden konnten. Sozialdemokraten irgendwo zwischen 25 und 29 Prozent, kommen also vermutlich in die Opposition. (Quelle: Tagesschau)
Schönen Sonntag noch!
Einen langen Wälzer anzufangen, kostet mich immer ein Stück Überwindung. Es wird eine ganze Weile dauern, bis man ein solches Buch durchgelesen hat, und man muss sich auf die Geschichte, die Personen, auf den Schreibstil und die Denkweise des Autors wirklich einlassen. Doch darin liegt die Stärke von Büchern: Gerade man so viel Zeit mit ihnen verbringt, ist die Erfahrung viel intensiver, als wenn man beispielsweise einen Film anschaut, von dem man sich hundert Minuten berieseln lässt, und der dann in der Versenkung des Vergessens verschwindet.
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, vom israelischen Schriftsteller Amos Oz, hat 830 Seiten. Ich habe das Buch vor ein paar Jahren schon einmal angefangen, dann aber nach ca. 80 Seiten aufgehört, nicht weil es mir nicht gefallen hätte, doch hatte ich meine Schwierigkeiten mit der Erzählweise, die sich sehr viel Zeit für einfache, alltägliche Dinge nimmt, und diese sehr intensiv und nachdenklich schildert. In den Sommerferien habe ich es nun ein zweites Mal angefangen, diesmal durchgelesen. Und ich muss sagen, ich habe länger kein Buch mehr gelesen, das mich derart beeindruckt und berührt hat.
Amos Oz beschreibt seine Kindheit im Jerusalem der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, seine Jugend im jungen Staat Israel, dazwischen Kapitel, in denen es darum geht, wie er im heutigen Israel diese Erinnerungen aufschreibt. Es ist ein ungewöhnliches Buch, ich brauchte eine Zeit, bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass die Kapitel nicht chronologisch angeordnet sind, es – wie bei einem autobiographischen Werk ja auch nicht anders zu erwarten – keinen simplen Plot mit rotem Faden gibt, keine Nullachtfuffzehn-Spannungskurve, die zum finalen Showdown mit anschließendem lulligen Happy-End führt. Ob sich die Dinge wirklich so zugetragen haben wie geschildert, ist dabei gar nicht so wichtig, denn es zählt das, was die Geschichte in einem auslöst.
Liebe und Finsternis; es ist schon ziemlich viel Finsternis, die der junge Amos abbekommt, und alle um ihn herum. Eine Menge gestrandete Menschen, deren Gemeinsamkeit erstmal darin besteht, dass sie Juden sind, der Sündenbock unter den Völkern, nirgendwo erwünscht. Amos wächst in einem Umfeld von Intellektuellen auf, Schriftstellern und Professoren, größtenteils glühenden Zionisten, für die die Gründung des jüdischen Staates das ersehnteste Ziel ist, eine Hoffnung auf ein Ende von Demütigung, Verfolgung und Ermordung, dem Leid, das die jüdische Geschichte seit tausenden von Jahren bestimmt.
Man muss sich auf das Buch einlassen, Amos Oz schildert ausgiebig die Eigenheiten seiner Verwandtschaft, den entbehrungsreichen Alltag mit seinen Eltern, das Lebensgefühl im kargen Land, das damals noch britisches Mandatsgebiet ist. Hat man aber ein-, zweihundert Seiten gelesen, so entfaltet das Buch eine fesselnde Wirkung, Oz hat einen wunderbaren Schreibstill, fantasievoll, bildhaft und unterhaltsam. Man möchte mehr haben von der Weisheit, die in diesen Seiten steckt, der Begnügsamkeit und der Mitmenschlichkeit. Der materiellen Begrenztheit seiner Kindheit setzt der kleine Amos eine farbenfroh blühende Fantasie entgegen, die keines Spielzeugs mehr bedarf. “Notizblöcke mutieren zu Flugzeugträgern, Radiergummi und Spitzer zu Zerstörern, die Heftzwecken zu Seeminen und die Büroklammern zu U-Booten.”
Es ist eine eindrucksvolle Geschichte der Mitmenschlichkeit in Zeiten von Not und Krieg, ein wunderschönes Epos, das einem in Erinnerung bleibt. Darüber hinaus hat das Buch eine politische Dimension. Oz schildert seine eigene Entwicklung vom von den Verwandten geprägten Konservativen zum Linken, zu seiner Begeisterung am Zionismus gesellt sich eine sozialistische Einstellung. Seine Schilderung des Nahostkonfliktes, dieses verfahrenen Dilemmas, hat mich auf eine Weise zum Nachdenken angeregt, wie es schon lange kein Buch mehr geschafft hat.
In den siebziger Jahren war Amos Oz an der Gründung der Initiative Peace Now beteiligt. Zwar teile ich Oz’ Meinung in vielen Aspekten nicht, so befürwortet er beispielsweise den israelisch-palästinensischen Grenzzaun und die verschiedenen “Verteidigungskriege” Israels – in meinen Augen sind diese Handlungen völkerrechtswidrig, menschenverachtend und verschlimmern die Situation nur – doch denke ich, dass Amos Oz einer dieser Menschen ist, die zu der Beilegung dieses Krieges notwendig sind. Der Nahostkonflikt braucht weise, besonnene und idealistische Menschen und eines der großen Probleme ist wohl, dass viele Beteiligte aufgehört haben, sich in die Situation des Gegenübers hineinzuversetzen.
Bildquelle: buecher.de

haben die Kraft!
Damit unserem Blog nicht der Vorwurf gemacht werden kann, es sei politisch tendenziös oder so, veröffentlichen wir natürlich auch gute Gründe, nächsten Sonntag Angela Merkel und die CDU zu wählen. Auf der Agitationswebsite des “teAM Deutschland”, die ganz im Sinne der Einheit von Partei und Staat auf CDU-Embleme verzichtet und sich stattdessen als Deutschland höchstpersönlich ausgibt, gibt es noch viel mehr davon.
- Unser Netzfundstück des Tages: Der Angie-Rap, gesungen und geschrieben von Sina Günzel. Auch die CDU kann kuhl sein.
- Neues Online-Spiel: Unter http://www.politikvorhersage.de/ findet Ihr ab sofort das neue Online-Spiel der CDU Deutschlands. Weil die anderen Politiker mit der Redekunst nicht mithalten können, hat die CDU (also die aus Deutschland!) deren Aussagen neu zusammen geschnitten. Sehr informativ und “lustig”.
- Den kreativsten – ich wiederhole: den kreativsten – Flashmob aller Zeiten hat das teAM Deutschland veranstaltet. Wie sich das gehört natürlich in Uniform und mit Sprechchören. Hier gibt es das Video.
- Wofür wir stehen, erklärt Kaiser Wilhelm zu Guttenberg kurz und prägnant. Das kann einander bedingen und muss einander bedingen und schließt sich nicht aus.
PS: Verunglimpfungen und Zerstörung von CDU-Plakaten sind nicht lustig. So etwas ist Sachbeschädigung!

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