Articles by kricke

You are currently browsing kricke’s articles.

Ja ja, die Ansicht, dass FDP-Wähler per se asoziale Vollidioten sind, die Politik nur so weit interessiert, wie sie ihnen den Schmarotzerpöbel vom Halse hält, und für die “Freiheit” lediglich die Freiheit der Ausbeutung bedeutet, diese Ansicht ist natürlich total undifferenziert und linksradikal. Mir fällt es trotzdem schwer, dieses Feindbildstereotyp loszuwerden, denn dann kommt die FDP einem in die Quere und betreibt Realsatire, die man beim besten Willen nicht mehr durch den Kakao ziehen kann.

“Selbstdenker gesucht” heißt eine Kampagne der FDP, in der Menschen gesucht werden, “die lieber selbst denken”. Denn:

“Selbstdenken ist der Luxus, den sich jeder leisten kann.”

Womit auch bewiesen wäre, dass das sozialistische Propagandageschwätz von Armut in Deutschland jeglicher Grundlage entbehrt, weil hier jeder eine Chance auf Luxus hat. Dafür, dass der Pöbel lieber den ganzen Tag vor der Glotze hängt, statt mal zu selbstdenken, kann die FDP ja nichts. Die Resultate des Selbstdenkens – dieser Begriff mutet meiner Meinung nach irgendwie scientologisch an – sind beachtlich. Wo hat man schon so umwerfende Begründungen für eine Parteipräferenz zu lesen bekommen?

Einig sind sich die Selbstdenker in der Ablehnung der Regulierungswut des Kleptokratenstaates. Mitunter kommt der Verdacht auf, dass zu den kritisierten Knechtungen durch den überbordenden Staat auch die geregelte Rechtschreibung gehört.

Wobei, auch wenn wir über die kleinen Rechtschreibschwächen hinwegsehen, immer noch die Frage bleibt, was der Unterschied zwischen Tun und Handeln ist. Sei’s drum.

Angesichts der großartigen Binsenweisheiten, kombiniert mit den sympathischen Fotos daneben, kann ich nur noch sagen: Respekt, FDP, großes Kino! Da überlegt man fast, dem “FDP Bürgerfonds” 20 Euro zu spenden (damit kann man “ca. 120 Bierdeckel drucken”). Schließlich muss die FDP jetzt wegen den Machenschaften des Herrn Möllemann eine Millionenstrafe zahlen. Andererseits denk ich mir: Eine Millionenstrafe – sowas bezahlt die FDP-Klientel doch wohl aus der Portokasse.

Fähnchen im Wind

Logo der Piratenpartei

Die Piratenpartei liegt momentan voll im Trend. Seit Jörg Tauss, ehemaliger SPD-Abgeordneter, der Partei beigetreten ist, hat sie sogar einen Sitz im Bundestag. Bei der Europawahl erlangten die Piraten in Deutschland einen Achtungserfolg von 0,9 Prozent, in Schweden waren es sogar 7,1 Prozent, genug für einen Sitz im Europaparlament. Doch wofür stehen die Piraten eigentlich? Die großen Medien stempeln die Partei in gewohnt merkbefreiter Manier als schlichte Klientelpartei der Raubkopierer ab, die lediglich ihr “Recht” auf illegale Downloads durchsetzen wollen. Das ist natürlich höchstens die halbe Wahrheit.

Unter “unsere Ziele” findet man auf der Website der Piraten als Hauptthemen informationelle Selbstbestimmung, eine Reform des Patent- und Urheberrechts, Transparenz des Staates und Open Access (d.h.: Werke, die von der Allgemeinheit finanziert werden, sollen dieser auch zur Verfügung stehen). Zusammenfassen könnte man das wohl einerseits unter dem Begriff “Mehr Freiheit im Netz”, andererseits soll der Begriff des geistigen Eigentums hinterfragt und neu definiert werden. Alles sehr wichtige Anliegen, finde ich, die auf jeden Fall unterstützenswert sind.

Man muss aber zugeben, dass der Vorwurf der “Ein-Punkt-Partei” zumindest in Teilen zutrifft. Auf zentrale politische Fragen wie Wirtschafts- und Sozialpolitik, Außenpolitik und Ökologie hat die Piratenpartei keine Antworten. Ziemlich dürftig für eine Partei, die in den Bundestag einziehen will, nicht? Zur Verteidigung gegen diesen Vorwurf wird häufig der Vergleich mit den Grünen in den achtziger Jahren herbeigezogen, die damals in ihrer Programmatik ebenfalls sehr eingeschränkt gewesen, heute aber zu einer vollständig anerkannten Partei herangewachsen seien. Nun, es mag zutreffen, dass man die Grünen in den Achtzigern recht umfassend mit dem Begriff “Müsli-Hippies” umschreiben konnte, genau wie man heute den Großteil der Piraten getrost als Computernerds bezeichnen kann. Anders als bei den Piraten waren die Kernthemen der damaligen Grünen, Ökologie und Pazifismus, jedoch ein so gewichtiger Teil der Lebenseinstellung, dass man wusste, woran man mit dieser Partei war. Von einer IT-Partei wie den Piraten kann man das allerdings nicht behaupten.

Die Internet-Community ist von den Piraten größtenteils hellauf begeistert. Endlich eine Partei, die die junge Generation ernst nimmt! Zensursula ist schlecht, da ist man sich einig, und der Ausbau des Überwachungsstaates muss gestoppt werden. Einigkeit ist etwas tolles. Dabei verliert man jedoch aus den Augen, dass das Internet nicht alles ist. Vorratsdatenspeicherung ist schlecht, keine Frage – es gibt aber wesentlich gewichtigere politische Themen. Sozialstaat, Wirtschaftspolitik, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Immigration… Dazu muss eine ernst gemeinte Partei doch irgendwie Stellung beziehen. Das wollen die Piraten nicht, weil sie es auch nicht können. Ein Einzug in den Bundestag ist nur dann möglich, wenn man alle potentiellen Wähler auch wirklich mobilisiert. Und deren Meinungen zu den oben genannten sind sehr heterogen. Bloß niemanden verprellen, ergo: Maul halten, und die Fahne in den Wind. Letztlich verfolgt die Piratenpartei also eine Taktik der “Querfront“. Ist dieser Begriff zu hart? Ich denke nicht – wer im Dienste des freien Weltnetzes sogar einen Holocaust-Leugner wie Bodo Thiesen in Parteiämter wählt, ist unwählbar. (ausführlicher Artikel dazu auf f!xmbr)

Der Superheld der Blogosphäre und momentanige Pirat im Bundestag, Jörg Tauss, ist ebenfalls eine fragwürdige Person. Ich meine damit nicht die Kinderpornographievorwürfe, in einem Rechtsstaat muss selbstverständlich die Unschuldsvermutung gelten. Abgesehen von seinen zweifellos brillanten Reden zum Thema Bürgerrechte und Internetgesetzen ist der Herr Tauss jedoch ein stinknormaler Sozialdemokrat, im negativen Sinne. Seien es die Kriegseinsätze der Bundeswehr, die Rente mit 67, Bahnprivatisierung, Erhöhung der Mehrwertsteuer – die ganze neoliberale Doktrin – Jörg Tauss ist voll auf Kurs, wenn es um das Verraten sozialdemokratischer Werte geht. (redblog)

Die SPD ist nicht erst mit den Zensurselschen Stoppschildern zur Verräterpartei geworden. Ob sie es nun seit 95 Jahren oder doch erst seit zehn ist, sei mal dahingestellt. Das Korrektiv dazu ist die Piratenpartei jedenfalls nicht.

Bild: Logo der Piratenpartei, Wikipedia

Gestern war Schoppekicker. Ich konnte zwar leider nicht dabei sein, habe mich aber dafür umso mehr über das passende Thema des Tages in der Frankfurter Rundschau gefreut: Komasaufen, “Gesellschaft im Rausch”. Dort erfährt der geneigte Leser, wie marodierende Jugendhorden rauben und brandschatzen und die Wiesbadener Polizei “eine Partyzone trockenlegt”.

Die Flasche Wodka-Mix ist noch halbvoll. Frank F. (Name geändert) setzt an – und trinkt innerhalb einer Minute auf ex. Der schmächtige 16-Jährige aus Wiesbaden hat auf dem Fest schon “vorgeglüht”. Das zeigt der Alkoholtest, den das Eingreifteam von Polizei und Ordnungsamt vornimmt: 0,8 Promille. Wahrscheinlich ein, zwei Bier aus dem Sixpack.

0,8 Promille von “ein, zwei Bier aus dem Sixpack”? Der Junge scheint wahrlich “schmächtig” zu sein. Wenn wir annehmen, dass er das Vorglüh-Bier ebenfalls auf ex getrunken hat, wiegt er – je nachdem, ob wir ein oder doch eher zwei Sixpackflaschen voraussetzen – irgendwas zwischen 12 Kilo (und ist 79 cm groß) und 40 Kilo (1 Meter 20). Auf diese Werte komme ich jedenfalls bei promillerechner.de. Vielleicht sind in Wiesbaden aber auch einfach die Sixpacks größer als hier.

Nicht nur mit dem Alkohol hat die junge Generation Probleme. Die schulischen Leistungen leiden insbesondere unter der grassierenden Onlinesucht. Immer mehr Jungs spielen Computerspiele, anstatt in die Schule zu gehen. Zum Glück hat unsere Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Susanne Bätzing, einen genialen Plan, wie dem Dilemma beizukommen ist: (aus einem weiteren Artikel dieser genialen FR-Ausgabe)

Die Drogenbeauftragte Bätzing forderte eine Altersbeschränkung für den Verkauf von Computerspielen sowie eine bessere Erforschung der Spielsucht.

Eine Altersbeschränkung für den Verkauf von Computerspielen… Dass da noch keiner drauf gekommen ist, genial!

Wie man sieht: Zeitung lesen kann auch lustig sein. Darauf, und auf unsere kompetenten Politiker, trink ich jetzt erst mal einen zweiundfünfzigfachen Tequila. Prost!

P.S.: das hier ist der 100. Eintrag in unserem Blog. Noch ein Grund mehr zum Feiern! :D

Aggression

Heute war in der Frankfurter Rundschau ein Interview mit dem Metallica-Frontmann James Hetfield zu lesen. Moment mal, dachte ich mir, das kenne ich doch. Und tatsächlich: Bereits in der Februar-Ausgabe der Titanic (die Ende Januar erschien) wurde Hetfield wegen seinem grenzdebilen Gesabbel zum Thema Guantanamo, Metallica, Politik und Redefreiheit abgewatscht.

James Hetfield!

Als Frontmann von Metallica wurden Sie in einem 3sat-Interview mit der einfachen Frage übertölpelt, was Sie denn davon hielten, daß Ihre Musik bei Verhören auf Guantánamo eingesetzt werde. Neben mehrmaligem Auflachen rangen Sie sich dabei ein paar unmetallisch diffuse Sätze ab: »Ein Teil von mir ist stolz, daß sie Metallica ausgesucht haben … Es ist starke und kraftvolle Musik. Sie repräsentiert etwas, daß diese Menschen nicht mögen – vielleicht Freiheit, Aggression. Ich weiß nicht, Redefreiheit … Ein Teil von mir sorgt sich aber auch, weil wir von manchen Menschen deswegen mit Politik in Verbindung gebracht werden. Wir haben damit nichts zu tun und wollen so unpolitisch wie möglich sein.«

Je nun, Hetfield: das hat ja schon mal nicht geklappt. Und bei dem Quark, den so mancher vermeintlich harte Kerl seiner weichen Birne abzwingt, kann man da gewisse Vorbehalte gegenüber der Redefreiheit nicht zumindest verstehen?

Stark und kraftvoll:

Titanic

Im “neuen” Interview, das laut der Rundschau “jüngst in Frankfurt” aufgezeichnet worden sei, lässt Hetfield ziemlich genau den gleichen himmelschreienden Schrott vom Stapel.

Diese Kraft haben auch andere erkannt: Zeugen zufolge wurde Metallica im US-Knast Guantánamo eingesetzt, um Verdächtige zu zermürben. Waren Sie geschockt, das zu hören?

Wieso geschockt? Es ist ja keiner ernsthaft zu Schaden gekommen. Meine Frau hört manchmal auch Phil Collins im Autoradio – ich wurde gefoltert! (lacht)

Ist Ihnen nicht unwohl, weil Ihre Musik so missbraucht wird?

Wir machen uns darüber keine Gedanken, es ist nichts, was wir stoppen können. Ich bin sogar ein bisschen stolz, dass sie Metallica dafür ausgewählt haben. Das heißt ja, es ist Musik, die Power hat, machtvoll ist. Wir repräsentieren etwas, dass “die” nicht mögen. Freiheit. Auflehnung. Meinungsfreiheit.

Yeah, Mr. Hetfield. Die aufgrund dubioser Kopfgeldgeschäfte in Guantanamo eingebuchteten afghanischen Bauern, gegen die die CIA absolut keine Vorwürfe, geschweige denn Beweise hat, und die deswegen mit irgendwelchen sinnlosen Foltermethoden in den Wahnsinn getrieben werden, haben bestimmt was gegen Freiheit. Warum sonst sollten sie in Guantanamo sein? Die könnten ja auch ne Metalband gründen und Multimillionäre werden, aber sowas wollen die Museln irgendwie nicht.

Amnesty International hat diese Dauerbeschallung als eine Art der Folter kritisiert.

Was mich viel mehr ärgert, ist dass wir dadurch in einen politischen Zusammenhang geraten. Dass die Leute uns nach unserer Meinung zu Guantánamo fragen. Dabei versuchen wir, so apolitisch wie möglich zu sein. Politik bringt Leute auseinander – wir wollen sie vereinen. Du wirst immer Fans verlieren, wenn du sagst, was du politisch glaubst. Ich will das überwinden und das Konkrete, das Menschliche ansprechen.

Achja, Folter, hihi, das kann man mal mit der Musik von Phil Collins vergleichen – kommt ja keiner zu Schaden bei. Aber Politik, da hört der Spaß auf! Bloß keine politische Meinung äußern, sonst könnten ja die rechtsradikalen Guantanamofans und Kriegshetzer in der eigenen Fanbase vergrault werden, und die würden ihre Metallica-Alben dann womöglich nur noch illegal aus dem Netz saugen. Immerhin, zu Themen wie Filesharing hat der Hetfield ja ne Meinung. (“… ein Prinzip, das mir schon meine Eltern beibrachten: Stehlen ist falsch. So einfach.”)

Ich weiß nicht, welche Erklärung ich schlimmer finden soll. Dass die Frankfurter Rundschau ein offenbar bereits im Januar gehaltenes Interview als neu verkauft. Leider würde das irgendwie passen, die FR ist in letzter Zeit zu einem elendig öden, magerquark-artigen Laberblatt verkommen, aber dann frage ich mich, warum die Übersetzungen in Titanic und FR so unterschiedlich sind. Womit wir bei der zweiten Möglichkeit wären, nämlich dass James Hetfield diesen Bullshit tatsächlich zweimal in verschiedenen Interviews zum Besten gegeben hat. Diese Vorstellung ist wohl noch um einiges trauriger.

Wahrscheinlich sollte man Interviews mit Rockmusikern von Bands, die man mag, einfach nicht lesen. Ernst nehmen auf keinen Fall. Beispiel: Bevor ich das Interview mit Jesse Hughes von den Eagles of Death Metal gelesen habe, war mir diese Band sympathisch. Aber wenn der Jesse Hughes dann ernsthaft über den “kommunistischen Schwanzlutscher” Obama abpöbelt und sich darüber aufregt, dass er etwas von seiner hart verdienten Kohle (hahaha!) für ein öffentliches Gesundheitssystem abgeben soll – furchtbar, nicht? – kommt mir nur noch die Kotze hoch. In der Hinsicht hat der gute James Hetfield also tatsächlich Recht. Politik kann Leute auseinander bringen. Oder mich zumindest davon abhalten, seine Alben zu kaufen.

In Honduras haben die Militärs den Präsidenten Zelaya weggeputscht:

Ein Militärputsch gegen den gewählten Präsidenten Honduras, Manuel Zelaya, ist international auf Kritik gestoßen. Der linksliberale Staatschef war am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) von rund 200 schwer bewaffneten und maskierten Soldaten aus seinem Wohnhaus in der Hauptstadt Tegucigalpa verschleppt worden. Die Putschisten flogen den Präsidenten unmittelbar nach der Entführung in das ebenfalls mittelamerikanische Costa Rica aus. (Telepolis)

Dass linkslastige Präsidenten in Zentral- und Südamerika vom Militär abgesägt werden, ist ja leider nichts neues. Wenn es um die Erhaltung der Freiheit – will sagen: der freien Markwirtschaft – geht, darf man das mit Demokratie usw. auch nicht so eng sehen. Findet zumindest die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung.

Während der Staatsstreich international – auch in den USA und in der EU – auf entschiedene Kritik stieß, lobt der Vertreter der „Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“ die „Rückkehr zu Rechtsstaat und zu Verfassungsmäßigkeit“ durch einen Militärputsch in Honduras. (ebenfalls Telepolis)

… was ein weiteres mal zeigt, welche, oder vielmehr wessen Freiheit die “Liberalen” meinen. Und wie ernst ihre vorgeblich ablehnende Haltung gegenüber Militäreinsätzen im Inneren zu nehmen ist. Wenn das die “Rückkehr zu(m) Rechtsstaat” ist, wird uns langsam klar, was mit dem “Rechtsstaat” eigentlich gemeint ist. Wo rote Socken an der Macht sind, kann nämlich schon per Definition kein Rechtsstaat sein. Da ist dann höchtens so “eine Art vegetarischer Schlachthof” (Westerwelle), aber für solche Fälle gibt es ja nette, zuvorkommende Generäle, die das echte Metzger-Handwerk noch beherrschen.

Venceremos!

Bild: Carlos Latuff

In eigener Sache

Jaja, ich weiß, Eigenwerbung und so, aber ich habe auch ein Mitteilungsbedürfnis: Meine Band und ich (“Parakoons”) haben jetzt unsere Studioaufnahmen. Ein paar Beispiele könnt ihr euch auf unserer Myspace-Seite anhören, in den nächsten Tagen werden wir das Material zu einem Album ordnen und veröffentlichen. Dazu gibts einen superdollen Trailer:

[Link]

Am 17.7. spielen wir im Sinkkasten in Frankfurt. VVK-Karten kosten 5€ und können bei Timo, Felix und mir gekauft werden. Wir würden uns natürlich freuen, wenn ihr zahlreich erscheint.

Lego für Nerds

Wer gelegentlich nostalgisch an die Legozeit zurückdenkt, sollte mal einen Blick auf Minecraft werfen. Auf den ersten Blick wirkt das noch in der Entwicklung befindliche Spiel etwas bizarr. Eine Art Egoshooter – aber ohne Waffen. Ein Spielziel sucht man ebenfalls vergeblich. Befänden wir uns im Jahr 1987, dann wäre die Grafik mit Sicherheit der letzte Schrei, heute wirkt das ganze dagegen natürlich ziemlich altbacken. Und doch hat Minecraft seinen Charme.

Am treffendsten lässt sich Minecraft wohl als virtueller Legobaukasten umschreiben. Mit Blöcken aus verschiedenen Materialien (Stein, Holz, Sand etc.) kann man bauen, wonach einem der Sinn steht. Damit dürfte sich die Frage nach einem Sinn des Spiels erübrigt haben, Lego hat schließlich auch kein Spielziel oder Regeln. So hüpfen die Spieler bei Minecraft fleißig durch die blockartige Welt und erbauen gigantische Türme, Pyramiden, Tunnelsystem oder Kirchen. Häufig erstrecken sich die Bauten von tiefen, teilweise lava- oder wassergefüllten Minenanlagen unter der Erdoberfläche bis zu schwindelerregenden Himmelsplattformen. Dass das Bauen nicht ganz einfach ist, erhöht den Reiz des Spiels. Gespielt wird über ein Java-Applet im Browser. Bislang ist Minecraft noch kostenlos, nach einer Registrierung (dauert nicht mehr als 20 Sekunden) kann man loslegen.

Wirkliche Langzeit-Motivation bietet Minecraft freilich nicht, dafür fehlt es an Funktionen und Variationen, die das Spiel auf Dauer spannend machen. Leider gibt es auch recht häufig Vandalismus an erbauten Konstruktionen. Für ein paar Stunden, am besten natürlich im Multiplayer mit Freunden, ist es aber wunderbar unterhaltsam. Die weiteren Pläne des Entwicklers klingen recht ambitioniert, Geld würde ich für Minecraft allerdings eher nicht ausgeben.

Website: minecraft.net

Bild: Minecraft Museum

http://www.minecraft.net/
Page 7 of 15« First...56789...Last »