Comics

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Der Winter klopft an der Tür und was gäbe es da schöneres, als sich in den Sessel zu fläzen und ein gutes Buch oder einen guten Comic zu lesen? Mal abgesehen von Musik gar nichts! Deswegen eine kleine aber feine Liste an Büchern und Comics, die ich zuletzt gelesen habe und euch näher bringen will.

Feuer:

Lorenzo Mattotti ist ein italienischer Grafiker und Comiczeichner. Er besitzt einen einzigartigen Stil, der dem Expressionismus zugerechnet werden kann. Es sind wilde, sich dem Farbrausch hingebende Zeichnungen.

Auf einer mysteriösen Insel gehen komische Dinge vor sich, so dass ein Panzerkreuzer zur Erkundung der Insel geschickt wird. Leutnant Absinth nimmt sich dieser Aufgabe an, die jedoch schnell in einen Kampf gegen Unbekannte ausartet. Doch der Kampf findet nicht auf der Insel statt. Ein auwühlender Comic mit grandiosen Zeichnungen. Er lässt einen nicht wieder los. Gebraucht für unter 10 € in großem Hardcover Band.

Umschlag von Feuer

Umschlag von Feuer

Fuck Machine:

Fuck Machine ist ein Gedichtband von Charles Bukowski. Das Buch ist nicht mehr wirklich das neuste, und vielleicht hat jeder schon ein Statement dazu abgegeben. Aber ich habe erst vor kurzem von dem Autor ein Buch in die Hand genommen, eben dieses. Wie man sich schon bei dem Titel denken kann, geht es viel um Sex. Die Geschichten sind lustig, ironisch, dreckig, abartig, erotisch, erschreckend, rassistisch und stoßen einen immer wieder vor den Kopf. Henry “Hank” Chinanski ist ein egozentrisches Arschloch, ein Trinker, der in Bars abhängt; ein Verlierer. Doch seltsamerweise sind die Geschichten sympathisch, man ertappt sich nicht beim Hassen, sondern beim Bewundern, beim Fasziniertsein. Sie sind schlichtweg die Geschichten des modernen Amerikas, die konsequente und auch direkt ausgesprochene Wahrheit über den amerikanischen Traum nach “Death of a salesman”. Bukowski wird oftmals als Arschloch bezeichnet. Aber um es in seinen Worten zu sagen: Manchmal braucht es einfach so ein Arschloch.

Ich bin voller Hass – und das liebe ich:

Ein Dokumentarroman über das Schulmassaker in Littleton, Columbine. Der Autor Joachim Gaertner hat aus den Ermittlungsakten und Interviews gesichtet, sortiert und gekürzt und daraus einen Roman zum nachvollziehen gemacht. Es ist eine ernüchternde Sicht, wie viel man sich mit den beiden Tätern teilt und wie ihr Privatleben wirklich aussah. Sie waren keineswegs die komplett isolierten Verlierer als die sie dargestellt wurden. Sie waren Jugendliche, wie es sie überall gibt. Die Tatsache, dass sich zwei psychisch schwächere Individuen gegenseitig aufgeschaukelt und angestachelt haben, führte erst zur Katastrophe. Es ist interessant, ihre Schulaufsätze, Webseiteinträge oder Chatgespräche zu lesen. Das ganze ist äußerst voyeuristisch, wenn man darüber nachdenkt, aber wer darüber hinwegsehen kann (und das kann ich), der wird einen erhellenden Blick über die Geschehnisse erhalten.

Hot Water Music:

Die Faszination für Bukowski bleibt. Die Geschichten sind nicht mehr so derbe, nicht mehr so pervers und nicht mehr so abartig. Dabei verlieren die Geschichten nicht ihren Charme vom sinnlosen Dasein und dessen Bewältigung. Bukowski beendet seine Geschichten selten, wie man sich das wünschen würde, er lässt alle Fragen offen und alle Reaktionen unbefriedigt. Seine Geschichten bleiben Ausschnitte, Momentaufnahmen. Das lässt Spielraum offen; aber manchmal auch Frust zurück. „Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ (Brecht)

Dr Jekyll and Mr. Hyde:

Noch einmal Lorenzo Matotti, doch diesmal ist es eine weltbekannte Geschichte, von Jerry Kramsky bearbeitet. Die Geschichte des Wissenschaftlers Dr. Jekyll, der es schafft, seine Persönlichkeit zu spalten und dabei seine körperliche Gestalt zu verändern. Mr. Hyde ist ein lüsterner Charakter, böse, alle Begierden und negativen Gefühle des Dr. Jekyll in sich vereinend. Das Tempo des Comics beginnt langsam, nimmt an Geschwindigkeit zu und bremst sich immer wieder, ein achterbahnartiger Rausch in Bildern und Text. Perfekter kann man diese Geschichte nicht umsetzen. Der Malstil erinnert an den expressionistischen Maler Otto Dix. Wer sucht, der findet auch Hommagen an seine Bilder, wie das Triptychon “Großstadt”. Zu Recht wurde dem Comic einer der wichtigsten Preise in der Comicwelt, der Will-Eisner-Preis, verliehen.

Dr. Jekyll & Mr. Hyde Buchband

Dr. Jekyll & Mr. Hyde Buchband

Bilder: independentshop.de, amazon.de

Manchmal im Leben lohnt es sich ja doch, fest sitzende Urteile zu überdenken. Ich war zum Beispiel bis vor kurzem fest davon überzeugt, dass Superheldencomics uninteressant und doof sind. Gut, wenn ich mir die ganze Marvel-Bande vor Augen halte, muss ich echt ziemlich gähnen. Irgendwie funktioniert das doch immer nach Schema 0815 (Unscheinbarer Typ verwandelt sich nachts in omnipotenten Megarächerpatrioten – zu hülf! – und muss mit seinen Super- oder sonstigen Kräften das von unfassbar schurkigen Obermuffeln bedrohte Amerika retten etc. pp.) Soweit, so gut (oder halt nicht), das Thema hatte ich also abgehakt. Zur Verteidigung der Superhelden muss ich noch sagen, dass ich auch sonst bis auf ein paar Ausnahmen recht wenige Comics lese. Enstprechend skeptisch war ich dann auch, als mir ein Bekannter Watchmen empfahl (ein Comic, mit Superhelden!), aber irgendwie ließ ich mich auf die Sache ein, und wurde – man ahnt es – positiv überrascht.

Rorschach

Watchmen stammt aus den 80ern und spielt auch in einem ähnlichen, jedoch in einigen Punkten abgewandelten Szenario. Der Kalte Krieg steht am Rande einer Eskalation, auf beiden Seiten sitzt man hochnervös am roten Knopf. Währenddessen befinden sich in Amerika die ehemaligen Superhelden in einer schweren Existenzkrise. Ihre Aktivitäten sind seit einiger Zeit gesetzlich verboten, weil die Regierung die Selbstjustiz, die einige von ihnen betreiben, nicht verantworten kann. So splittert sich die Gruppe der Verbrecherschrecks auf. In Gang gesetzt werden die Geschehnisse, als einer von ihnen, der Comedian, unter ungeklärten Umständen ermordet wird. Danach sterben oder verschwinden weitere Helden, es ist unklar, ob dahinter ein Zusammenhang besteht. Im Laufe der Erzählung erfährt man die Lebensgeschichten der einzelnen Charaktere, die jeder für sich sehr plastisch und psychologisch tiefgründig dargestellt werden. Besonders interessant ist dabei, dass fast alle Charaktere nicht in das häufig verwendete Gut-oder-böse-Schema passen. So gibt es den gnadenlosen Law-and-Order-Brutalo Rorschach, der einem aber aufgrund seiner kindheitlichen Traumatisierung häufig auch leid tut. Auf der anderen Seite steht z. B. Ozymandias, der klügste Mann der Welt, der sehr konsequent für Humanität eintritt, dabei aber auch eine kalte, fragwürdige Logik verfolgt. Komplett unberechenbar ist Dr. Manhattan, der seit einem Laborunfall eine Art Übermenschendasein führt und sich von menschlichen Denkmustern komplett entfernt hat. Die anderen Charaktere sind nicht minder interessant. Innerhalb von zwölf abwechslungsreichen Kapiteln bewegt sich Watchmen auf ein furioses Ende zu, zwischen den einzelnen Kapiteln gibt es Zeitungsauschnitte, Tagebucheinträge u.ä., die die grandiose Atmosphäre noch weiter verdichten.

Geschrieben hat Watchmen der berühmte Comic-Autor Alan Moore, die Zeichnungen stammen von Dave Gibbons. Das Werk hat einige Preise bekommen, so steht es auf der Liste der 100 besten Romane (seit 1923!) des Time Magazine. Die englische Ausgabe ist nicht ganz einfach, andererseits sind viele der Wortspiele wohl nur schwer ins Deutsche zu übersetzen. Ich kann den Comic unbedingt empfehlen, wie gesagt auch Leuten, die sonst keine Comics lesen oder denen die Materie fremd vorkommt.

Dr. Manhattan sorgt für Verwirrung

Nun gibt es auch Aktuelles zu Watchmen: Es wird eine Verfilmung geben, die Dreharbeiten sind bereits abgeschlossen. Der Kinostart ist in Deutschland für den 5. März dieses Jahres angesetzt. Ich bin auf jeden Fall schon mal sehr gespannt, wie das wird, auch wenn ich gegenüber Verfilmungen von Büchern (und Comics) ein wenig skeptisch bin.

Bilder: oberes – Ausschnitt aus Watchmen; unteres – dito, genommen von papesisbooyah.wordpress.com