Musik

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Crack to fly

Mastodon ist eine Metalband aus den USA. Gelten sie vielen zwar als beispiellose Rednecks (gemeint im Sinne von “Prolet”, nicht als Südstaatenrassist), ist ihre Musik jedoch unbestritten gut. Sie gehören zweifelsohne zu den wichtigsten Metalbands der 2000er. Ihre Alben folgen lose der Vier-Elemente-Lehre, das aktuellste Album “Crack the Skye” schließt dabei mit Luft die vier Elemente ab. Textlich wie musikalisch folgen die Alben meist einem roten Faden bzw. einer sich entwickelnden Geschichte. Das ist sehr interessant und unterstreicht den Konzeptcharakter der Band. Doch sind die Texte manchmal auch sehr metaphorisch, wahllos und erinnern an Drogentrips. So auch die Musik. Es treffen viele Breaks, Gitarrenschredderei, drei Shouter und die 70er aufeinander. So ungern ich das Wort zur Beschreibung von Musik in einem Artikel verwende: Was die Jungs abliefern, ist einfach geil. Versteht es als Ausdruck meiner Euphorie. Ich kann die Alben Leviathan, Blood Mountain und Crack the Skye nur wärmstens empfehlen, will damit aber nicht sagen, das Album Remission sei Schrott.

Wer übrigens meint, Künstler sollten wieder öfters auf Alkohol und Drogen zurückgreifen, wird die Kerle so oder so lieben. Es sind sich dem Alkoholexzess hingebebende Crackheads, die sich, um wieder runterzukommen, Schmerzmittel reinpfeifen. Na dann, solange sie gute Musik machen und anderen nicht schaden, soll es mir Recht sein.

Mastodon “Oblivion”

Aggression

Heute war in der Frankfurter Rundschau ein Interview mit dem Metallica-Frontmann James Hetfield zu lesen. Moment mal, dachte ich mir, das kenne ich doch. Und tatsächlich: Bereits in der Februar-Ausgabe der Titanic (die Ende Januar erschien) wurde Hetfield wegen seinem grenzdebilen Gesabbel zum Thema Guantanamo, Metallica, Politik und Redefreiheit abgewatscht.

James Hetfield!

Als Frontmann von Metallica wurden Sie in einem 3sat-Interview mit der einfachen Frage übertölpelt, was Sie denn davon hielten, daß Ihre Musik bei Verhören auf Guantánamo eingesetzt werde. Neben mehrmaligem Auflachen rangen Sie sich dabei ein paar unmetallisch diffuse Sätze ab: »Ein Teil von mir ist stolz, daß sie Metallica ausgesucht haben … Es ist starke und kraftvolle Musik. Sie repräsentiert etwas, daß diese Menschen nicht mögen – vielleicht Freiheit, Aggression. Ich weiß nicht, Redefreiheit … Ein Teil von mir sorgt sich aber auch, weil wir von manchen Menschen deswegen mit Politik in Verbindung gebracht werden. Wir haben damit nichts zu tun und wollen so unpolitisch wie möglich sein.«

Je nun, Hetfield: das hat ja schon mal nicht geklappt. Und bei dem Quark, den so mancher vermeintlich harte Kerl seiner weichen Birne abzwingt, kann man da gewisse Vorbehalte gegenüber der Redefreiheit nicht zumindest verstehen?

Stark und kraftvoll:

Titanic

Im “neuen” Interview, das laut der Rundschau “jüngst in Frankfurt” aufgezeichnet worden sei, lässt Hetfield ziemlich genau den gleichen himmelschreienden Schrott vom Stapel.

Diese Kraft haben auch andere erkannt: Zeugen zufolge wurde Metallica im US-Knast Guantánamo eingesetzt, um Verdächtige zu zermürben. Waren Sie geschockt, das zu hören?

Wieso geschockt? Es ist ja keiner ernsthaft zu Schaden gekommen. Meine Frau hört manchmal auch Phil Collins im Autoradio – ich wurde gefoltert! (lacht)

Ist Ihnen nicht unwohl, weil Ihre Musik so missbraucht wird?

Wir machen uns darüber keine Gedanken, es ist nichts, was wir stoppen können. Ich bin sogar ein bisschen stolz, dass sie Metallica dafür ausgewählt haben. Das heißt ja, es ist Musik, die Power hat, machtvoll ist. Wir repräsentieren etwas, dass “die” nicht mögen. Freiheit. Auflehnung. Meinungsfreiheit.

Yeah, Mr. Hetfield. Die aufgrund dubioser Kopfgeldgeschäfte in Guantanamo eingebuchteten afghanischen Bauern, gegen die die CIA absolut keine Vorwürfe, geschweige denn Beweise hat, und die deswegen mit irgendwelchen sinnlosen Foltermethoden in den Wahnsinn getrieben werden, haben bestimmt was gegen Freiheit. Warum sonst sollten sie in Guantanamo sein? Die könnten ja auch ne Metalband gründen und Multimillionäre werden, aber sowas wollen die Museln irgendwie nicht.

Amnesty International hat diese Dauerbeschallung als eine Art der Folter kritisiert.

Was mich viel mehr ärgert, ist dass wir dadurch in einen politischen Zusammenhang geraten. Dass die Leute uns nach unserer Meinung zu Guantánamo fragen. Dabei versuchen wir, so apolitisch wie möglich zu sein. Politik bringt Leute auseinander – wir wollen sie vereinen. Du wirst immer Fans verlieren, wenn du sagst, was du politisch glaubst. Ich will das überwinden und das Konkrete, das Menschliche ansprechen.

Achja, Folter, hihi, das kann man mal mit der Musik von Phil Collins vergleichen – kommt ja keiner zu Schaden bei. Aber Politik, da hört der Spaß auf! Bloß keine politische Meinung äußern, sonst könnten ja die rechtsradikalen Guantanamofans und Kriegshetzer in der eigenen Fanbase vergrault werden, und die würden ihre Metallica-Alben dann womöglich nur noch illegal aus dem Netz saugen. Immerhin, zu Themen wie Filesharing hat der Hetfield ja ne Meinung. (“… ein Prinzip, das mir schon meine Eltern beibrachten: Stehlen ist falsch. So einfach.”)

Ich weiß nicht, welche Erklärung ich schlimmer finden soll. Dass die Frankfurter Rundschau ein offenbar bereits im Januar gehaltenes Interview als neu verkauft. Leider würde das irgendwie passen, die FR ist in letzter Zeit zu einem elendig öden, magerquark-artigen Laberblatt verkommen, aber dann frage ich mich, warum die Übersetzungen in Titanic und FR so unterschiedlich sind. Womit wir bei der zweiten Möglichkeit wären, nämlich dass James Hetfield diesen Bullshit tatsächlich zweimal in verschiedenen Interviews zum Besten gegeben hat. Diese Vorstellung ist wohl noch um einiges trauriger.

Wahrscheinlich sollte man Interviews mit Rockmusikern von Bands, die man mag, einfach nicht lesen. Ernst nehmen auf keinen Fall. Beispiel: Bevor ich das Interview mit Jesse Hughes von den Eagles of Death Metal gelesen habe, war mir diese Band sympathisch. Aber wenn der Jesse Hughes dann ernsthaft über den “kommunistischen Schwanzlutscher” Obama abpöbelt und sich darüber aufregt, dass er etwas von seiner hart verdienten Kohle (hahaha!) für ein öffentliches Gesundheitssystem abgeben soll – furchtbar, nicht? – kommt mir nur noch die Kotze hoch. In der Hinsicht hat der gute James Hetfield also tatsächlich Recht. Politik kann Leute auseinander bringen. Oder mich zumindest davon abhalten, seine Alben zu kaufen.

In eigener Sache

Jaja, ich weiß, Eigenwerbung und so, aber ich habe auch ein Mitteilungsbedürfnis: Meine Band und ich (“Parakoons”) haben jetzt unsere Studioaufnahmen. Ein paar Beispiele könnt ihr euch auf unserer Myspace-Seite anhören, in den nächsten Tagen werden wir das Material zu einem Album ordnen und veröffentlichen. Dazu gibts einen superdollen Trailer:

[Link]

Am 17.7. spielen wir im Sinkkasten in Frankfurt. VVK-Karten kosten 5€ und können bei Timo, Felix und mir gekauft werden. Wir würden uns natürlich freuen, wenn ihr zahlreich erscheint.

Pop-Musik heute ist wie ein Kaugummi. Knatschig, und der Geschmack sagt “Bye Bye” nach dreißig Sekunden. Das mag vielleicht nicht immer am Soundteppich, oder besser: Lappen, liegen, sondern auch an den Künstlern und deren bedingungsloser Austauschbarkeit. Aber auch ärgert mich die musikalische Untermalung der Künstler! Manchmal wünsche ich mir einfach, dass sämtliche Drumcomputer der Welt ihren Geist aufgeben, um nie wieder so ekelhafte Drumloops, die schräg von belanglosen Synthies geschwängert werden, spielen zu müssen. Wo ist der Bass hin? Mehr als den elektronischen Slap-Bass scheint es gar nicht mehr zu geben. Und wieso verdammt brauchen die aktuellen Sängerinnen, wenn sie sich denn so schimpfen dürfen, bei einer Steigerung der Emotion mehr Synthies um dies darzustellen? Ganz einfach: sie beherrschen ihr Handwerk nicht mehr gut genug, um das zu kaschieren.

Es gibt natürlich auch Hoffnungen auf dem Popmarkt, die mich immer wieder hoffen lassen. Aber irgendwie vermisse ich die großen Produzenten, den organischen Sound, wie ihn Motown und Stax hatten, ich vermisse etwas, was ich seinerzeit vielleicht nie miterlebt habe. Aber ich schreie danach, weil sich für meinen Blick die Spreu nicht immer vom Weizen trennt, noch nicht. In zehn Jahren kann man das vielleicht und dann sehen es alle. Aber bis dahin steig ich wieder in den Zug und mache meine Reise in der Vergangenheit. Viel Spaß mit Janis Joplin! Achja, ihre Stimme ist der pure Wahnsinn, unheimlich sexy!

[Link]

Bei Ektomorf war wohl in letzer Zeit der Schleudergang aktiv. Denn die in Deutschland lebenden Ungarn um Mastermind Zoltan haben sich von ihrem Bassisten und Drummer getrennt. Außerdem wechselten sie vom Label Nuclear Blast zu AFM Records. Interessanter Schritt. Noch interessanter zu wissen ist jedoch, ob das neue Album “What doesn’t kill me…” noch nach Ektomorf klingt. Viele würden jetzt einwerfen, dass sie eh eine billige Sepultura- bzw. Soulfly-Kopie sind und damit keine Daseinsberechtigung haben. Der Sänger selbst antwortet darauf in einem Interview mit bloodchamber.de:

Ach, all diese Ignoranz und die Leute, die gar nicht wissen, was EKTOMORF ist. Die werden das immer sagen. Ich kann nur sagen „fuck them“.

So siehts aus, auch wenn natürlich Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen sind. Ektomorf machen Spaß und ihr Reiz ist eben keine technische Finesse oder ähnliches, es sind Songs die knallen und live funktionieren. Dementsprechend ist auch die Single ausgefallen, ein Ektomorf-Springer mit leider mäßigem Video.

[Link]

Im hohen Norden gab es Ende der 80er und Anfang der 90er den Trend zu Black Metal. Black Metal ist eine extreme Spielart des Heavy Metal, die sich meist mit okkulten Themen befasst. Eine der stilprägenden Bands war Mayhem. Die Bandgeschichte zeigt auf, wie chaotisch seinerzeit Black Metal war, und wie er mitunter in seinen Extremen auch unterschätzt wurde. Der Sänger von Mayhem beging 1991 Selbstmord, indem er sich die Pulsadern aufschlitzte und mit einer abgesägten Schrotflinte in den Kopf schoß. Der Gitarrist der Band, genannt Euronymous, kam zum Schauplatz des Selbstmordes und schoss Fotos mit seiner Polaroidkamera. Dann sammelte er Knochensplitter vom Kopf ein, um daraus Anhänger zu fertigen.

Euronymous wird nachgesagt er habe den Inner Circle (auch Black Circle genannt) gegründet, der in den 90ern für viele Brandstiftungen an Kirchen in Skandinavien verantwortlich war. In diesem Inner Circle war auch Varg Vikernes, der Mayhem bei den Bassspuren für ihr kommendes Album “De Mysteriis dom Sathanas”, welches später als Meilenstein des Black Metal bekannt werden sollte, aushalf. Nun kam es vor Veröffentlichung zu einem Streit zwischen Euronymous und Varg Vikernes, der dazu führte, das Varg Vikernes Euronymous erstach. Ob der Konflikt nun aufgrund Machtstreitereien bezüglich des Inner Circle, Kampf um die Liebe zu einer Frau (sehr trve) oder um einen Plattenvertrag ging, sei dahingestellt. Varg Vikernes wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und kehrte sich vom Black Metal ab. Black Metal stamme von Rockmusik ab. Rockmusik sei die Erfindung der Schwarzen, deswegen wolle er sie nicht mehr spielen. Seitdem produziert er nur noch Ambient Musik.

Dieser Varg Vikernes, der als verquerter Rassist und Dummschädel dem Black Metal für Jahre sein Image geliehen hat und ihn ins lächerliche zog, wird nun in einem Film bedacht. Es geht um die Verfilmung des Buchs “Lords of Chaos”, das “dokumentarisch” von den Geschehnissen in der Black-Metal-Szene berichtet. Varg Vikernes soll von Jackson Rathbon, dem Teenieschwarm aus “Twilight”, gespielt werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Handlung nach Texas verlegt wird und der Cast von High School Musical 3 übernommen wird. Das würde dem Stoff gerecht werden, denn Mayhem und Varg Vikernes sind mehr als dumpf. Doch bin ich gespannt wie der Soundtrack zum Film ausfallen wird. Wird es Black Metal sein? Ich hoffe doch, denn von der Musik bin ich Fan, nicht jedoch von ihren Machern, die immer noch glauben sie müssten wie Waldschräte vor 700 Jahren im Wald rumgröhlen, sich vor die Hütte kacken und von sich behaupten die trvesten zu sein – peinlich.

Nach dem Song Strasse geben K.I.Z. mit “Straight outta Kärnten” einen erneuten Vorgeschmack auf das kommende Album “Sexismus gegen Rechts”. Sie, große Verehrer Haiders, fragen sich: “[...] was soll das ohne dich werden? Eurabien?! [...]” .

Dass macht Spaß, und verkürzt die Wartezeit bis zum kommenden Album. Daumen Hoch!

K.I.Z. – Straight outta Kärnten

Bild: typemuseum.at

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