Religion

You are currently browsing the archive for the Religion category.

Goodbye, Jesus! Einen kurzen Anflug von Wehmut habe ich dann doch verspürt, als ich letzten Mittwoch in Frankfurt war, um aus der Kirche auszutreten. Eine Zeit lang, so vor einigen Jahren, war es für mich tatsächlich ein fester Bestandteil meiner Identität, protestantischer Christ zu sein. Doch das ist vorbei. Die Verfassung der Institution Kirche ist für mich jedenfalls kein Grund, dem Laden treu zu bleiben. Insofern ist mein Austritt nichts als ehrlich und konsequent.

Letztlich scheitert für mich jedes Plädoyer für Gottesglauben an der schlichten Theodizee-Problematik. Warum lässt Gott sinnloses Leid zu? Meistens wird entgegnet, ohne Leid gäbe es keine Freude. Bezogen auf einen einzelnen Menschen mag das ja stimmen. Wie aber kann die Existenz eines angeblich gütigen und allmächtigen Gottes mit der existierenden Welt, in der jeden Tag Frauen, Männer und Kinder verrecken, weil sie nichts zu essen haben, vereinbart werden? Oder auf die Spitze getrieben: Wie kann ein allmächtiger Gott ein Verbrechen wie Auschwitz zulassen? Es geht einfach nicht. Entweder ist dieser angebliche Gott nicht in der Lage, oder nicht willens, solche Dinge zu verhindern. Damit ist er aber entweder überflüssig oder es nicht wert, angebetet zu werden.

Dann gibt es noch die Geschichte mit der Nächstenliebe. Ich respektiere jeden, für den die Bibel ein Fundament für friedliches, soziales und tolerantes Verhalten darstellt. Leider ist häufig das Gegenteil der Fall: Fundi-Christen hetzen gegen die vermeintliche Islamisierung unserer Gesellschaft, vertreten mittelalterliche Moralvorstellungen und wählen die unsäglichen Parteien mit dem C im Namen. Wenn man sich vor Augen hält, dass die Geschichte des staatlich verankerten Christentums in erster Linie daraus bestand, jahrhundertelang jeglichen Fortschritt zu blockieren, Hexen und Ketzer zu verbrennen und auf blutigste Art und Weise große Teile der Welt zu unterjochen, wird das Geschwätz von der Islamisierung erst recht albern. Islamisierung – ja bitte, kann man nur noch sagen. Vielleicht nimmt dann ja der Kindesmissbrauch endlich ein Ende. Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Besser wäre mit Sicherheit eine Welt, in der die Menschen die Religion insgesamt überwunden haben. Solidarität und moralisches Verhalten sind auch möglich, ohne dass ein allmächtiger Bestrafungsheini auf der Wolke sitzt und Ungläubige in die Hölle schickt.

Zu guter Letzt: Protestanten sind nicht besser als Katholiken. Meist nur inkonsequenter. Der lutheranische Reformator himself war in weltlichen Fragen ein erzreaktionärer Knochen, der Protest gegen die irdische Obrigkeit als unchristlich ansah und seinerzeit die Fürsten aufforderte, die Bauernaufstände blutig niederzuschlagen, was diese dann auch taten. Noch abstoßender war allerdings seine Haltung gegenüber den Juden. Nachdem diese sich partout nicht zum wahren Glauben bekehren lassen wollten, wurde Luther zum fanatischen Judenhasser.

“Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen. Wenn ich könnte, wo würde ich ihn [den Juden] niederstrecken und in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren.” (wiki)

Mit diesem Hintergrund ist es natürlich äußerst fragwürdig, den Protestantismus als fortschrittliche Weiterentwicklung des Christentums zu betrachten. Mal davon abgesehen, dass Katholiken bei Themen wie der Sexualmoral verklemmter sind, ist die katholische Soziallehre nämlich in der Frage nach Gerechtigkeit deutlich kapitalismuskritischer als die kalte protestantische Arbeitsethik. Nimmt man die blinde Obrigkeitshörigkeit und die ausgeprägte Judenfeindlichkeit des Reformators Luther zusammen, so wundert es einen nicht mehr, dass in den 30er Jahren die Protestanten waren, die sich dem Führer deutlich willfähriger unterwarfen als ihre katholischen Mitbürger. Auch wenn die freilich ebenfalls keine sonderlich ruhmreiche Rolle gespielt haben.

Alles in allem: Das Christentum ist kein Verein, dem ich länger angehören will. Auch wenn ich jetzt in die Hölle komme. Macht’s gut.

Der Heilige Stuhl

Hach, der Papst! Auch jetzt auf der Reise nach Afrika ließ er sich nicht lumpen, eindeutig und souverän Stellung zu beziehen. Er geht schließlich auf Reisen, um den Menschen zu erklären, warum sie leiden, er muss es ja wissen.

Die gegenwärtige Krise sei Folge eines Ethikdefizits in wirtschaftlichen Strukturen, sagte der Papst. Und hier könne die Kirche einen Beitrag leisten.

Okay. Mit Systemfehlern hat das nichts zu tun. Alle diese Probleme sind natürlich mit Hilfe der Kirche zu lösen. Schließlich zeigte die katholische Kirche in der Vergangenheit ihr Können als Handlungsträger oder Berater für hohe Staatsfunktionäre, die alle dem ethischen Prinzip der Kirche folgten. Sie glaubten an Gott, und alles war gut. Und Papst sah in den Geldbeutel und sah, dass es gut war. Kein Grund zum Systemwechsel also.

Als selbstgefälliges Dienstleistungsunternehmen berät man auch das gemeine Volk. Wenn es fromm ist und betet, wird schon alles gut, denn das Unternehmen legitimiert diesen Ratschlag durch Berufung auf ihren Vordenker, der dafür öffentlichkeitswirksam ans Kreuz geschlagen wurde. Warum sollte also das Volk Kondome brauchen? Gar nicht sagt ihr, schließlich war Sex immer für das Kindermachen und nicht für das Vergnügen da, das war schon in der Bibel klar, wenn wilde Orgien Kinderzeugparties gefeiert wurden. Gegen Aids können Kondome nicht helfen, davon ist Ratze überzeugt.

“Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem”

Ja ne ist klar, Benedikt! Enthaltsamkeit ist das einzige Mittel der Verhütung? Ob Adam oder Priester, sie waren alle enthaltsam! Wäre das nicht schon alles schlimm genug, nein dann wirftst du auch noch mit “spirituellen und menschlichen Erwachen” sowie “Freundschaft für die Leidenden” um dich. Aber in Brasilien werden eine Mutter, die bei ihrer vom Stiefvater vergewaltigten Tochter eine Abtreibung  durchführen lassen hat, der durchführende Arzt und jegliche in den Fall “verwickelte” Personen exkommuniziert. Das kann man Freundschaft für die Leidenden nennen!

Ich bin zwar evangelisch, aber der ganze Kram mit Jesus, Herrgott und Co. schafft es seit einiger Zeit nicht mehr, mich wirklich zu überzeugen. Die sogenannten christlichen Grundwerte wie Nächstenliebe und Frieden auf Erden sind eine feine Sache, aber keinesfalls geistiges Eigentum des Christentums, und Gottesglauben braucht man für deren Umsetzung nicht zwingend. Wenn ich mir unsere Erde so anschaue, dann erscheint mir die angebliche Allmächtigkeit und Gütigkeit des Herrn ziemlich widersprüchlich. Wenn Gott allmächtig sein sollte, dann liegt beim Hunger in Afrika, den sich häufenden Naturkatastrophen und den plötzlichen Kindstoden wohl eindeutig unterlassene Hilfeleistung vor. Oder ist Gott gar nicht gütig? Einen Allmächtigen, der aus Laune oder Faulheit den ganzen Schrott auf Erden geschehen lässt, kann ich nicht gebrauchen. Plausibel klingt, dass es ihn gar nicht gibt.

Viele Menschen in Europa scheinen zum selben Schluss zu kommen. Auch wenn die Papstbesuche zu riesigen Medienevents aufgeblasen werden, die Zahl der Kirchenbesucher aller Konfessionen nimmt immer weiter ab. In London haben Atheisten im Januar eine Werbekampagne auf Bussen gestartet, die den atheistischen Grundgedanken verbreiten soll: “There’s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life.” Lockerer Atheismus als Mittel, um weniger über Dinge zu grübeln, die letztlich gar nicht so wichtig sind, und dafür das Leben zu genießen – das gefällt mir.

Nun haben auch deutsche Atheist-Aktivisten die Idee aufgenommen und wollen eine Atheismuskampagne auf Berliner Bussen starten, Köln und München sollen folgen. “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott”, soll die deutsche Übersetzung des englischen Vorbilds heißen. Der Sinn bleibt, zumindest meiner Meinung nach, auf der Strecke. Egal, ob man die umständliche und hakelige Anmerkung in den Klammern mitliest oder nicht: Das Ganze ist eine einfach so dahingeklatschte Behauptung. “Es gibt keinen Gott.” Das ist keinen Deut sinnvoller, als einfach so von der Existenz Gottes auszugehen. Und worauf basiert die “an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit”? Pseudowissenschaftlich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu argumentieren ist peinlich, wenn es keine wissenschaftliche Grundlage gibt. Genau die fehlt aber bei der Existenz- oder Nichtexistenz Gottes.

Dass man mit dieser Kampagne Gläubige überzeugen kann, bezweifle ich. Die Kirche lässt sich auch nicht weiter provozieren und reagiert gelassen. Verständlich, die Atheisten kriegen ihre Kampagne ja sicherlich, zusätzlich zu den 19 500 Euro, die der Spaß kostet, minutiös im Fegefeuer angerechnet. Schade eigentlich! In England fühlte sich die Christliche Partei berufen, gegen die Gottlosen mit einer eigenen Kampagne zurückzuschlagen:

“There definitely is a God. So join the Christian Party and enjoy your life.”

Dem können die Atheisten wohl nichts entgegensetzen.

Bild: www.buskampagne.de

Hurra, “Wir sind Papst!”. Schlimmer kann es kaum noch werden. Als Papst Benedikt XVI. vor kurzem die Exkommunikation der Priesterbruderschaft St. Pius X. aufhob, vergaß er wohl, dass er damit auch Richard Williamson, einen bekennenden Holocaustleugner, freispricht. Nun erfährt man von Radio Vatikan, dass Williamson und seine Kollegen doch weiterhin suspendiert bleiben. Man könnte sich natürlich fragen, warum die katholische Kirche sie überhaupt rausgeworfen hat, hetzen gegen andere Glaubensrichtungen können sie zumindest ganz gut:

Williamson:

“Dort wurden keine Juden in den Gaskammern getötet! Das waren alles Lügen, Lügen, Lügen! Die Juden erfanden den Holocaust, damit wir demütig auf Knien ihren neuen Staat Israel genehmigen.” […] “Die Juden erfanden den Holocaust, Protestanten bekommen ihre Befehle vom Teufel, und der Vatikan hat seine Seele an den Liberalismus verkauft.” (hier)

Sein deutscher Kollege Schmidberger:

“Was dem Islam im 16. und 17. Jahrhundert mit Waffengewalt nicht gelungen ist, das schafft er heute in der nachkonziliaren Ära auf friedlichem Wege. Er besetzt Europa, Frankreich wird überschwemmt von Arabern, Deutschland von Türken, England und Skandinavien von Pakistanern. In England wird beispielsweise alle zwei Monate eine neue Moschee eröffnet. In Deutschland gab es vor 50 Jahren eine Handvoll islamischer Zentren, heute sind es über 2000. Und daran ist das schönredende Konzil nicht unschuldig.” [...] “Erster Punkt: Eroberung von ganzen Stadtvierteln! Zweiter Punkt: Eindringen in die Stadtverwaltungen! Dritter Punkt: Kinder! Einer von den Moslems sagte: Wir werden die Deutschen im Wochenbett überwinden!” (auch hier)

Die Tagesschau spricht von Kommunikationsproblemen im Vatikan, da erinnert man sich gerne an das YouTube-Video, das der Channel “vaticande” einen Tag nach der Exkommunikationaufhebung von Richard Williamson veröffentlicht hat. Einfach zum brüllen, zufälligerweise (!) gehört es aktuell zu den Promoted Videos von YouTube:

Kommunikation des Vatikan HD

Ich geh mich heute ausnahmweise, dank Zuspruch der BILD, als Papst schämen, um gleich in der Gruft noch zu lachen.

Bild: titanic-magazin.de

Der heutige 27. Januar ist der 64. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen. Seit 1996 ist dieser Tag in Deutschland der offizielle Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rahmen meines Praktikums bei der FR habe ich ein paar Gedanken zum Umgang mit dem Thema in der Schule aufgeschrieben. Den Artikel könnt ihr hier nachlesen.

Aktuell dazu: Besonderen Mangel an Feingefühl hat in diesem Zusammenhang unser vielgefeierter Stellvetreter Gottes auf Erden (Bild-Papst-Experten nennen ihn auch “Georg” Ratzinger) bewiesen. Der hat am Wochenende die Exkommunikation der Bischöfe der “Priesterbruderschaft Pius X.” aufgehoben. Das klingt zunächst einmal nicht sonderlich interessant, ist aber ein ziemlich dicker Hund. Die Bischöfe der Bruderschaft (die bezeichnenderweise die Abkürzung SSPX benutzt) sind erzreaktionäre Hardliner, die sich entschieden gegen jede Modernisierung der katholischen Kirche wenden. Einer von ihnen, der Brite Richard Williamson, ist bekennender Holocaustleugner.
Neben empörten jüdischen Repräsentanten gab es auch innerhalb der katholischen Kirche Proteste. Allerdings läuft Ratzinger ja auch schon seit geraumer Zeit in den Medien Amok. Letztes Jahr an Ostern wollte er noch alle Juden bekehren, an Weihnachten keilte er dann gegen Homosexuelle aus, und nun wieder eine Geste, die das Vertrauensverhältnis zwischen Katholiken und Juden auf tiefste beschädigt. Wird langsam Zeit, dass progressivere Katholiken sich den Stuss nicht mehr länger gefallen lassen. Mir wird sowieso immer ganz komisch, wenn ich im Fernsehen sehe, wie zigtausend Jugendliche auf irgendwelchen Kirchentagen dem sich modern gebenden Trend-Papst zujubeln.

Bild: wikimedia.org