Satire

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Weg damit

Ich gebe zu, ich habe keine Ahnung von Typographie. Doch manchmal kommt es ja auch vor, dass man als Laie ein gewisses, dumpfes Gefühl, einen Gedanken über etwas in sich trägt, und dann eines Tages, wenn man diesen Gedanken irgendwo artikuliert sieht, wozu man selbst aufgrund der eigenen Laienhaftigkeit nicht in der Lage war, fällt es einem wie Serifen von den Augen.

Es verfolgt einen überall, es gibt kein Entrinnen davor, keinen Ort im Alltag, wo es einem nicht mit beißender Brutalität ins Auge springen würde. Dieses Gefühl, dass sich einem die Fußnägel hochrollen, Schwindel, Übelkeit, Ekel, man möchte schreien, hat Angst, für verrückt gehalten zu werden, weil eine unaufhaltsam scheinende, erdrückende Mehrheit von Leuten kontaminiert zu sein scheint, die Gehirne längst im Schleudergang gewaschen, von dieser Ausgeburt der typographischen Hölle.

Ja, die Rede ist von Comic Sans. 1994 für Microsoft – die Wurzel vielen Übels – entwickelt, begann diese Schriftart mit furchtbarer Unerbittlichkeit ihren Weg zur Weltherrschaft. Das besondere an Comic Sans ist nicht in erster Linie das idiotische Aussehen, das gibt es bei vielen Schriftarten, sondern die exzessive, ausufernde Benutzung. Kaum ein am Computer erstelltes Hinweisschild für ein defektes Damen-WC, kaum ein Mathe-Arbeitsblatt unserer LK-Lehrerin, kein Praktikumsbericht aus der neunten Klasse mehr, der nicht in diesem Fonttype verfasst wurde.

Ist denn alles verloren? Nein. Es formiert sich Widerstand. Die Initiative Ban Comic Sans kämpft für ein Verbot dieser Schriftart.

While we recognize the font may be appropriate in a few specific instances, our position is that the only effective means of ending this epidemic of abuse is to completely ban Comic Sans.

Zu diesem Zweck wurde eine Online-Petition ins Leben gerufen. Die Forderung nach einem Verbot mag radikal erscheinen, aber wie soll der Augenkrebs-Epidemie sonst Einhalt geboten werden? Es ist schlicht die einzige Möglichkeit. Wer noch nicht überzeugt sein sollte, dem sei folgendes Video empfohlen: “Comic Sans” von Sam and Anita.

Machen statt meckern

haben die Kraft!

Damit unserem Blog nicht der Vorwurf gemacht werden kann, es sei politisch tendenziös oder so, veröffentlichen wir natürlich auch gute Gründe, nächsten Sonntag Angela Merkel und die CDU zu wählen. Auf der Agitationswebsite des “teAM Deutschland”, die ganz im Sinne der Einheit von Partei und Staat auf CDU-Embleme verzichtet und sich stattdessen als Deutschland höchstpersönlich ausgibt, gibt es noch viel mehr davon.

PS: Verunglimpfungen und Zerstörung von CDU-Plakaten sind nicht lustig. So etwas ist Sachbeschädigung!

Umfragen im Internet sind eine witzige Angelegenheit. Welt Online fragt die Leser1, was sie denn wählen werden, und die stärkste Partei ist aktuell – das hätte man bei einer Website aus dem Hause Springer dann ja eigentlich nicht erwartet – die Linke, wenn auch nur einen Prozentpunkt vor der CDU. Den dritten Platz belegt “eine andere Partei”, die nur ein Prozent weniger wählen wollen als die CDU. Leider lässt sich nicht aufschlüsseln, ob das jetzt eher die Piratenpartei, NPD oder doch die Violetten sind, die diesen Achtungserfolg für die “Anderen” herausgehauen haben. Im Internet wäre es wohl mittlerweile sinnvoller, statt den Piraten lieber die SPD in die “Sonstige”-Kategorie einzureihen, da man die Aus-Versehen-Klicker, Hardcore-Steineimer-Groupies und verwirrte Jungsozialisten bald an einer Hand abzählen kann. Vermutlich wars doch die Piratenpartei, denn die rockt die meisten anderen Netzumfragen momentan ziemlich. Ob die im Real-Life was reißen werden? Weiß nicht, aber die Medien haben ja Übung darin, Parteien, die eine Alternative verkörpern, zu demontieren.

Die NEON will beim Politischen auch mal voll mitmischen und befragt die “Generation Krise” zu ihrer Einstellung bezüglich Finanzkrise, Arbeitswelt, Politiker und System. Ergebnis: so links ist die junge Generation ja gar nicht(!), was mich aber nicht wirklich überrascht hat, denn Linke sind doch heute längst nur noch ostalgische, arbeitslose Loser-Hartz-IV-Autonompunks, die einfach nicht gecheckt haben, wie genial es ist, wenn jedes Café bald ein Starbucks ist. Im Internetz auf neon.de darf man immerhin angucken, wie “durchschnittlich” man ist und seine Antworten auf 48 Fragen mit denen der “repräsentativ” befragten Gruppe abgleichen. Dumm nur, aber auch eigentlich egal, dass man selbst bei Multiple-Choice-Fragen nur eine Antwort ankreuzen darf. Besonders cool sind dann natürlich so wunderbar subtile Zustimm-Aussagen wie “Der Sozialismus ist im Vergleich zur Demokratie das bessere System”, der konkret aber auch nur 3 Prozent der Befragten zugestimmt haben. Sozialismus versus Demokratie – wir freuen uns auf weitere NEON-Abstimmungen à la Duschen versus Arschabputzen oder darüber, ob Bionade oder Nutellabrot das bessere System sei. “Ich will aber beides!”, will man die NEON-Macher anbrüllen, doch eine derart individuelle Gefühlswallung lässt das kalte Antlitz der NEON-Umfrage nicht zu.

Dass sich Gehirne nicht von alleine waschen, hat auch die Bundesregierung entdeckt und fängt mit dem Rekrutieren von Hindukusch-Kanonenfutter jetzt schon im Kindesalter an. “regierenkapieren” heißt die “junge Seite der Bundesregierung”, wo sich der FDGO-Nachwuchs über die netten Leute in Berlin informieren kann. Neben ansprechenden Quizsrz – herrje, was ist eigentlich der Plural von Quiz? Egal! – werden die Fragen der Kleinen beantwortet, auch so unangenehme wie “Was machen deutsche Soldaten in anderen Ländern der Welt?”. Doch die Antwort ist sehr beruhigend.

In Deutschland herrscht Frieden. Als Kind kannst du zur Schule gehen, du kannst Sport treiben, dich mit deinen Freunden treffen. Aber das ist nicht überall so.

Vor allem außerhalb Europas gibt es sehr viele Länder in schwierigen Situationen. In einigen von ihnen herrscht Krieg. Menschen werden verletzt und müssen sterben. Deutschland und viele andere Länder wollen das nicht zulassen. Sie wollen helfen, die Konflikte zu lösen. Deshalb schicken sie Soldatinnen und Soldaten in diese Länder.

Das ist wirklich herzallerliebst. Man ist gespannt, was regierenkapieren antworten würde, wenn die Kids dann mal fragen, wer eigentlich die Waffen liefert für die Kriege, wegen denen man keinen Sport mehr treiben darf, oder warum es den armen Kindern in den Konfliktgebieten helfen soll, wenn auch noch Länder wie Deutschland, die das ja nicht zulassen wollen, Bomben auf sie drauf werfen. Eine ehrliche Antwort wäre vielleicht: “In manchen Ländern gibt es Erdöl. Aber bei uns ist das leider nicht so. Manche Länder wollen nicht, dass ihr Erdöl von westlichen Ölmultis verwaltet wird. Deutschland und andere Länder können und wollen diese Widerspenstigkeit aber nicht akzeptieren.” Da die Kinder, die die Fragen stellen, aber vermutlich in der Bundesregierung selbst sitzen, werden solch interessante Frage-Antwort-Spiele wahrscheinlich nie stattfinden.

Ich drohe zum Zyniker zu werden. Was tun?

  1. die Umfrage ist auf der rechten Seite []

Ja ja, die Ansicht, dass FDP-Wähler per se asoziale Vollidioten sind, die Politik nur so weit interessiert, wie sie ihnen den Schmarotzerpöbel vom Halse hält, und für die “Freiheit” lediglich die Freiheit der Ausbeutung bedeutet, diese Ansicht ist natürlich total undifferenziert und linksradikal. Mir fällt es trotzdem schwer, dieses Feindbildstereotyp loszuwerden, denn dann kommt die FDP einem in die Quere und betreibt Realsatire, die man beim besten Willen nicht mehr durch den Kakao ziehen kann.

“Selbstdenker gesucht” heißt eine Kampagne der FDP, in der Menschen gesucht werden, “die lieber selbst denken”. Denn:

“Selbstdenken ist der Luxus, den sich jeder leisten kann.”

Womit auch bewiesen wäre, dass das sozialistische Propagandageschwätz von Armut in Deutschland jeglicher Grundlage entbehrt, weil hier jeder eine Chance auf Luxus hat. Dafür, dass der Pöbel lieber den ganzen Tag vor der Glotze hängt, statt mal zu selbstdenken, kann die FDP ja nichts. Die Resultate des Selbstdenkens – dieser Begriff mutet meiner Meinung nach irgendwie scientologisch an – sind beachtlich. Wo hat man schon so umwerfende Begründungen für eine Parteipräferenz zu lesen bekommen?

Einig sind sich die Selbstdenker in der Ablehnung der Regulierungswut des Kleptokratenstaates. Mitunter kommt der Verdacht auf, dass zu den kritisierten Knechtungen durch den überbordenden Staat auch die geregelte Rechtschreibung gehört.

Wobei, auch wenn wir über die kleinen Rechtschreibschwächen hinwegsehen, immer noch die Frage bleibt, was der Unterschied zwischen Tun und Handeln ist. Sei’s drum.

Angesichts der großartigen Binsenweisheiten, kombiniert mit den sympathischen Fotos daneben, kann ich nur noch sagen: Respekt, FDP, großes Kino! Da überlegt man fast, dem “FDP Bürgerfonds” 20 Euro zu spenden (damit kann man “ca. 120 Bierdeckel drucken”). Schließlich muss die FDP jetzt wegen den Machenschaften des Herrn Möllemann eine Millionenstrafe zahlen. Andererseits denk ich mir: Eine Millionenstrafe – sowas bezahlt die FDP-Klientel doch wohl aus der Portokasse.

Gestern war Schoppekicker. Ich konnte zwar leider nicht dabei sein, habe mich aber dafür umso mehr über das passende Thema des Tages in der Frankfurter Rundschau gefreut: Komasaufen, “Gesellschaft im Rausch”. Dort erfährt der geneigte Leser, wie marodierende Jugendhorden rauben und brandschatzen und die Wiesbadener Polizei “eine Partyzone trockenlegt”.

Die Flasche Wodka-Mix ist noch halbvoll. Frank F. (Name geändert) setzt an – und trinkt innerhalb einer Minute auf ex. Der schmächtige 16-Jährige aus Wiesbaden hat auf dem Fest schon “vorgeglüht”. Das zeigt der Alkoholtest, den das Eingreifteam von Polizei und Ordnungsamt vornimmt: 0,8 Promille. Wahrscheinlich ein, zwei Bier aus dem Sixpack.

0,8 Promille von “ein, zwei Bier aus dem Sixpack”? Der Junge scheint wahrlich “schmächtig” zu sein. Wenn wir annehmen, dass er das Vorglüh-Bier ebenfalls auf ex getrunken hat, wiegt er – je nachdem, ob wir ein oder doch eher zwei Sixpackflaschen voraussetzen – irgendwas zwischen 12 Kilo (und ist 79 cm groß) und 40 Kilo (1 Meter 20). Auf diese Werte komme ich jedenfalls bei promillerechner.de. Vielleicht sind in Wiesbaden aber auch einfach die Sixpacks größer als hier.

Nicht nur mit dem Alkohol hat die junge Generation Probleme. Die schulischen Leistungen leiden insbesondere unter der grassierenden Onlinesucht. Immer mehr Jungs spielen Computerspiele, anstatt in die Schule zu gehen. Zum Glück hat unsere Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Susanne Bätzing, einen genialen Plan, wie dem Dilemma beizukommen ist: (aus einem weiteren Artikel dieser genialen FR-Ausgabe)

Die Drogenbeauftragte Bätzing forderte eine Altersbeschränkung für den Verkauf von Computerspielen sowie eine bessere Erforschung der Spielsucht.

Eine Altersbeschränkung für den Verkauf von Computerspielen… Dass da noch keiner drauf gekommen ist, genial!

Wie man sieht: Zeitung lesen kann auch lustig sein. Darauf, und auf unsere kompetenten Politiker, trink ich jetzt erst mal einen zweiundfünfzigfachen Tequila. Prost!

P.S.: das hier ist der 100. Eintrag in unserem Blog. Noch ein Grund mehr zum Feiern! :D

oder: Assoziationen zum Europawahlkampf der Grünen

Ja, Frieden für Generationen. Doch auf der anderen Seite stehen die Sachzwänge der Regierungsfähigkeit, und da überwiegt selbst bei einer ehemaligen Pazifistenpartei häufig die Neigung zum WUMS. Dementsprechend könnte das Plakat auch so aussehen:

We’ll force you to be nice to each other
Kill you before you kill each other
(D.R.I – Violent Pacification)

Einer Partei, die in ihrer Regierungszeit zwei Angriffskriege mitgetragen hat, nehme ich dieses pazifistische Getue leider nicht ab. Da ändert auch die Nichtteilnahme am Irakkrieg, zweifellos einer der wenigen Glanzpunkte der rot-grünen Ära, wenig dran.

“Die Grünen kommen als Partei aus der Friedensbewegung. Schade. Mir wäre es lieber, wenn sie noch drin wären!” – Ove Lieh, Satiremagazin Eulenspiegel

Pazifismus scheint aber keine Alternative mehr zu sein, wenn man Teil des politischen Establishments geworden ist. Schade eigentlich. :/

Bilder: gruene.de, Montage mit usip.org

Wen die französische Regierung zukünftig beim mehrmaligen illegalen Downloaden von Musik oder Filmen erwischt, dem wird für ein Jahr sein Internetanschluss gesperrt. Weiterbezahlen muss man die Internetkosten selbstverständlich, schließlich soll der Internetzpirat gehörig bluten für seine Schandtat, und irgendwas müssen die Internetprovider ja auch davon haben.

Kulturministerin Christine Albanel verteidigte den Gesetzentwurf. Es gehe nicht um die Einschränkung der Freiheit, sondern um die erzieherische Wirkung. (tagesschau.de)

Auch für Deutschland hat die Musikindustrie, der es selbstverständlich ausschließlich selbstlos um den Schutz des geistigen Eigentums geht (Megaprofite für den monopolistisch produzierten Schrott? Ich bitte euch!), nun ein Internetverbot für Raubkopierer gefordert. Wird also höchste Zeit, dass auch in Deutschland der Volksgeißel Raubkopie endlich das Handwerk gelegt wird. Und wenn wir schon dabei sind – wären folgende Gesetze nicht auch längst überfällig?

  1. Wer dreimal beim Ladendiebstahl erwischt wird, darf für ein Jahr sein Haus nicht mehr verlassen. Bezahlen muss er seine, sagen wir mal über den Daumen gepeilt: neun… Wocheneinkäufe selbstverständlich trotzdem, sonst würde dem ortsansässigen Discounter ein unhaltbarer Umsatzeinbruch zugemutet werden.
  2. Wer dreimal im Halteverbot parkt, dessen Auto wird abgewrackt. Sprit- und Versicherungskosten für den Altwagen werden natürlich weiterbezahlt.
  3. Wer beim heimlichen Onanieren erwischt wird, bekommt den Pillermann abgehackt. Mindestens für ein Jahr. Weiterbezahlen muss der Onanie-Pirat sein Playboy-Abo selbstverständlich.

Das klingt jetzt vielleicht übertrieben. Andererseits: Sind Ladendiebstahl und Falschparken, von Onanie mal ganz abgesehen, nicht wesentlich verheerender als der Download von Musik, die wir uns sonst überhaupt nicht kaufen würden, weil wir sie entweder nicht kennen und lieben lernen würden oder sie uns schlicht nicht leisten könnten? Hätte die Einzelhandel- oder Automobillobby bzw. die katholische Kirche mehr Einfluss in Deutschland, dann wären meine Gesetzideen sicherlich mehr als bloße Hirngespinste. Tolle Justizprinzipien, und da zählt “Three Strikes” wohl mal eindeutig dazu, darf man im Gegensatz zur Musik nämlich gerne kopieren!

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