Zurück ins Funkhaus

Durch Zufall bin ich gestern wieder auf Stenkelfeld gestoßen. Stenkelfeld ist ein fiktives Kaff in Norddeutschland, das Schauplatz einer vom NDR produzierten Comedyserie ist. Im Stil von Radiobeiträgen erzählen Detlev Gröning und Harald Wehmeier satirische Alltagsgeschichten der kruden Stenkelfelder. Das Ganze kann man mit Badesalz vergleichen, unterscheidet sich jedoch durch unverkennbar norddeutsches Flair. Netterweise bietet der NDR einen Podcast mit unzähligen alten Stenkelfeld-Episoden an. Großes Tennis!

Podcast: Neues aus Stenkelfeld

Yes, we can.

Lang ist es her. Lang sind auch andere Dinge, die mit mir zusammen hängen. Zum Beispiel mein Einzug.

Ich gebe euch hier und jetzt exklusive Insiderinformation über die professionelle Arbeit eines Handwerkers. Hier die besten Tipps für die, die sich zum Handwerker auserkoren fühlen!

1. Stellt eure Sachen in die Küche, selbst wenn die Leute, die im Haus wohnen, schon eingezogen sind. Das gibt der Küche einen minimalistischen, modernen Stil und hey, wer bekommt nicht Hunger, wenn er die Schuhe, die man nach der Arbeit ausgezogen hat, riecht. Tolle Sache.

2. Wartet generell bis kurz vor knapp. Wenn Ihr 3 Monate Zeit habt, ein Klo oder gar einen Duschkopf zu montieren, ist das ein Problem der anderen. Ich bitte euch, 3 Monate, als ob man nur zum Arbeiten lebt. Kleiner Bonustipp: wenn ihr die Einziehenden ein bisschen ärgern wollt, um so die soziale Bindung zu ihnen zu stärken, erlaubt euch einen Spaß und baut die Badewanne falschrum ein. Auch gut ist, wenn man einen zu kurzen Duschschlauch kauft, sollen die Leute doch mal sehen wie es ist, sich die ganze Zeit zu bücken.

3. Die Steckdosen, die ihr montieren sollt, macht am besten so, dass es den Einziehenden am besten gefällt. Das Lächeln in ihren Gesichtern wird euch zeigen, dass Ihr es richtig gemacht habt. Prinzipiell gilt: wenige Steckdosen dort, wo der Schreibtisch hinkommt, große sperrige dort hin, wo das Sofa später stehen soll. Und hinters Bett ganz viele (so etwa 4 bis 5). Den einzigen Telefonanschluss macht Ihr am besten in eins der Zimmer der Einziehenden, sodass sie all den Kram irgendwo, nur nicht da, wo es keiner sieht, anschließen dürfen. Wer steht schon nicht auf übertriebenen Kabelsalat.

5. Trinkt Alkohol bei der Arbeit. Das macht euch kompetent und wirkt männlich. Zeigt gleich, wer der Boss ist. Kommt generell ohne anzuklopfen in die Zimmer, es ist eure Arbeitsstelle. Wenn ihr gefragt werdet, ob das nicht so kommt sagt Nein.

6. Nachdem ihr richtig ralle seid, ladet doch, wenn möglich, die einziehende weibliche Person zum Essen ein. Das kommt super, bewährte Sprüche sind hierbei. “Komm du was essen? Ich zahl auch!”

7. Wenn jemand fragt, was Ihr gerade macht und ihr eigentlich keine Ahnung habt, nicht verzagen. Nuschelt einfach irgendwas ganz schnell in euch hinein (am besten in irgendeiner anderen Sprache) und macht das so oft, bis der andere es als unhöflich sieht, nach dem fünften Mal “Dhezngentlftn” “Wie bitte?” zu fragen.

8. Legt Baumaterial, z.B. Metallpfeiler, in den Weg. Wenn die Leute einziehen, müssen die sie zwangsläufig wegräumen, um durchzukommen. Das ist eure Chance! “Wo’s Metallpfeiler?! Was?! Zurückholen! Dorthin!” lässt die armen Seelen sofort wissen, dass sie einen Fehler begangen haben. Hätten sie halt noch ein bisschn gewartet, wer muss denn auch schon, zwei Tage vor der Übergabe der alten Wohnung/Haus Sachen reinschleppen?

Wenn Ihr diese Regeln befolgt, und immer schön grimmig guckt (so wie die coolen Supersajayins), dann werdet ihr es ganz weit bringen. Versprochen! Wirklich! Ernsthaft! Kennt ihr das, wenn man etwas so oft bestätigt, dass es ironisch klingt? Ja? Tschüss.

Was nicht passt, passt halt nicht, ihr Lahmtröten.

Ich habe gar keine Lust, mich über Ihr ständiges verbales Schlammgeschleuder gegen Arbeitslose und Alte aufzuregen. Im Gegenteil, ich bin Ihnen dankbar – dankbar dafür, dass Sie unverblümt aussprechen, was mit dem christlichen Menschenbild der Jungen Union, deren wiedergewählter Vorsitzender Sie bekanntermaßen sind, wirklich gemeint ist. Der permanente Kotzreiz, den ich bei Ihren Äußerungen empfinde, hilft mir ungemein bei meiner politischen Meinungsbildung. Und diese Rücktrittsforderungen gegen Sie sind ja mal wirklich absurd. Die Junge Union braucht Sie. Absolut niemand könnte diesen neokonservativen Haufen Schrott besser verkörpern die vermutlich leibhaftige Reinkarnation von Helmut Kohl. Wo bliebe die Generationengerechtigkeit, wenn die junge Generation nicht auch ihre eigenen Vollidioten zu ertragen hätte?

Prost!

GIGA – Game over!

GIGA macht dicht. Sie werden von Premiere aus dem Programm genommen und auch die Internetplattform giga.de soll geschlossen werden. Fürs erste hat mich diese Nachricht, die omnipräsent in den Internetmedien war, geschockt. GIGA, das war dieser Sender der mich PC-affin gemacht hat. Denke ich an GIGA zurück, dann sind da Eddy, Shu, Simon, Budi, Nils, das große G, dieses Backsteinstudio und dieses wunderbare Communityprinzip. Wer damals noch keine gute Internetverbindung besaß, wie ich, konnte sich nicht einfach so jedes Spiel oder schon Demo wie heutzutage mit Breitband runterladen. Unteranderem deswegen habe ich GIGA geschaut, aber auch um unterhalten zu werden oder die neusten Infos zu bekommen. Mit dem Alter und dem Breitbandinternet verlor ich langsam das Interesse an GIGA und vergaß es fast das es noch gab. Das war das Problem von GIGA, sie entwickelten die Sendung nicht weiter, doch die Internetwelt und auch die Zuschauer änderten sich und ihre Ansprüche. Somit wurde aus NBC GIGA eine Premiere-Sparte.

Irgendwann nachts auf MTV kam GAME ONE. Eine Games-Show auf einem Musiksender? Verwundert stellte ich fest, dass ich die Moderatoren der Sendung kannte, es sind Budi und Simon von GIGA. Ich recherchierte im Internet und fand heraus, dass die beiden sich von GIGA getrennt hatten und nun die 15 bis 30 minütige Sendung GAME ONE auf MTV produzieren. Ich tat es mir mal an und war erstaunt. Budi und Simon schaffen es innerhalb von 30 Minuten mehr oder wenig witzig, aber auf den Punkt gebrachte Spiele Reviews oder Hintergrundberichte zu machen. Ich war begeistert. Die Show ist natürlich keine Weiterentwicklung von GIGA, sondern eine Emanzipation, aber eine derart gelungene, dass ich mir GAME ONE sehr gerne anschaue.

Wenn also eine Petition GIGA in die ARD befördern will, muss die ARD GIGA dazu bewegen, ihr Konzept komplett zu überarbeiten, natürlich mit der vorbildlichen Community-Interaktion. Diese Interaktion darf GIGA aber nicht vollständig bestimmen, sonst kann die Sendung sich nicht mutig weiterentwickeln. Sie müssen entweder wieder zu dem alten Chaos-Sender zurück, oder die Sendung und die Beiträge stark komprimieren um die Zuschauer wieder auf ihre Seite zu bringen. Mein zusätzlicher Vorschlag wäre es, fefe als Moderator für eine wöchentliche Sendung zu engagieren, in der er über die Neuigkeiten der Woche in seinem unverkennbaren Stil berichtet. Das könnte sich als äußerst unterhaltsam herausstellen.

Bild: mtv.de

Zu Hülf, Mario Barth!

Humor zu kritisieren ist eine müßige Angelegenheit. Vielleicht fühlt man sich kurzzeitig ein wenig besser, während man auf Oliver Pocher herumhackt, wie es zeitungsübergreifend in den Feuilletons auch getan wird, ändern wird sich an der Armseligkeit der deutschen Comedylandschaft dadurch nichts. Deswegen will ich mich damit auch nicht großartig aufhalten. Witze, die vermutlich schon einen Barth (höhö) hatten, als sich zum ersten Mal weibliche und männliche Amöben in der Ursuppe begegneten, scheinen das zu sein, was die Leute hören wollen. Anerkennen muss man zum Beispiel, dass Mario Barth nicht nur aus Scheiße Geld machen kann, sondern selbiges auch aus der immer wieder selben Scheiße tut. Und eins muss man seinen Fans zugute halten: Sie werden sich garantiert nicht als etwas besseres betrachten. Genau da liegt der Unterschied zu den wirklich Schlimmen.

Bastian Sick1 wurde mit seiner Kolumne Zwiebelfisch (bei Spiegel Online) bekannt, in der er gegen die Verwilderung der deutschen Sprache zu Felde zieht. Sieht man mal davon ab, dass Sick häufig sinnloserweise gegen den Bedeutungswandel von Wörtern (den es in der Geschichte der Sprache immer gegeben hat, wo wären wir heute sonst?) oder böse Anglizismen wettert, sind seine Artikel wirklich recht lustig geschrieben. Ich habe vor geraumer Zeit den ersten Band der „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“-Reihe gelesen und fand das ganze unterhaltsam. Die von Sick aufgestellten Vorschriften sollte man allerdings nicht zu eng sehen, denn er ist unter Sprachwissenschaftlern umstritten und so kann man auch leicht ins Fettnäpfchen tappen, wenn man meint, andere Leute belehren zu müssen. Würden alle Menschen Bastian-Sick-Logik verfolgen, so sprächen wir heute wahrscheinlich immer noch, wenn überhaupt, Althochdeutsch.

Es wäre ja nicht weiter schlimm, würde Bastian Sick mit seinen Zwiebelfischen und Dativen in geschriebener Form zufrieden sein. Leider fühlt er sich seit einiger Zeit, wahrscheinlich wegen des durchschlagenden Erfolges seiner Buchveröffentlichungen, zu höherem berufen. Und so tourt Bastian Sick fleißig herum, hält die größten Deutschstunden der Welt ab, und hat mittlerweile sogar eine eigene Fernsehshow, pardon… äh Entschuldigung, -schau. Was in seinen Büchern als leicht oberlehrerhafter Stil durchgeht, wirkt live (was würde Sick sagen?) einfach nur blasiert und peinlich. Am allerschlimmsten sind die Pausen, die Sick zwischen seinem herablassenden Gefasel lässt, denn normalerweise gibt es davor ja so etwas wie eine Pointe, bei Sick jedoch sucht man so etwas vergeblich. Diese Lachpausen werden also vom drögen Publikum mit zögerndem Gekicher gefüllt (wahrscheinlich gehen die zum Lachen normalerweise in den Keller), bevor Sick zum nächsten Rundumschlag gegen Jugendsprache oder Politikerdeutsch (als gäbe es an der Politik nicht Wichtigeres zu kritisieren!) anhebt. Ich kann mir die Videos auf Youtube nicht angucken, ohne starke körperliche Schmerzen zu empfinden. Und innerlich flehe ich dann nach einem Erlöser vom Kaliber eines Mario Barth. Schlimmer geht immer, und in diesem Fall ist mir ein Hohlbrot vom Schlage des Herrn Barth tausend mal lieber als der arrogante Sickbastian.

  1. sprich: „Sieg“, was mich fast zu einer grenzwertigen Überschrift verleitete… []

Outlaw Feelings

Sie sind laut, besoffen, prollig, einfach Outlaws. Blood for Blood, eine Hardcoreband aus Boston, Massachusetts. Die Musik ist laut, schnell, asozial, frei von Soli oder Mainstreamanleihen, jedoch nicht ohne das gewisse Augenzwinkern. Die Jungs sind sympathisch und fern von aufgesetzten Plattitüden. Sie leben, was sie schreiben. Und das ist so gut, dass sie in meinen Augen einer der besten Hardcore Bands aus den USA sind.

Die Liste der von Blood for Blood Geächteten ist lang. Sei es die Mutter, die Ex-Freundin, die ganze Gesellschaft oder einfach der Amerikanische Traum:  “I found my family on the city streets because they locked me out of their American dream”. Die Musik ist dermaßen packend, das sie in Situationen, in denen man den gewissen “Kick” braucht, allein ausreicht um einen zum Zenit zu führen. Wenn man enttäuscht, müde oder wütend ist, packen Blood for Blood einen an den Schultern und rütteln einen wieder wach. Mit “Outlaw Anthems” haben die Jungs eine der besten (Proll-)Hardcore Scheiben hingerotzt. Wütend wie eh und je, mit einem sehr metallischen Sound, Mörder-Riffs und -Rhythmen, bei denen jedes Gebäude einstürzt. Wer diese Band noch nicht gehört hat, sollte sich schnell noch beim CD-Händler des Vertrauens  “Outlaw Anthems” besorgen, denn die Band hat sich anscheinend aufgelöst und es ist zu befürchten, dass es keine Nachpresse von dem Album gibt. Der Song “Ain’t like you!” ist einer meiner Lieblingssongs des Albums. Und es findet sich eine ähnliche Aussage in den Lyrics wie die des Satans in John Miltons Epos Paradise Lost: “Better to reign in Hell than serve in Heaven”.

Blood for Blood – I ain’t like you

I AIN’T LIKE YOU!

And I don’t want your love.
And I don’t need your respect.
I just can’t hate enough but I got no tears or regrets.

I ain’t like you
I will never live like you and you will never walk the path I do.
I will never be like you and I’ll never be a part of your society of lies and fools.
I will never live like you.
I will never walk the path you do.
I am your wasted youth so…
Fuck you and society too ’cause my kind just ain’t like you.

Yeah, I’m a King of Nothing,
’cause nothing’s what I am and nowhere is where I’ll be.
But I’d rather be a king of nothing than a servant in a sick society
’cause pretty little children playing pretty little games in their pretty little worlds is all I’ve ever seen.
You’ve never felt my pain
And I just gotta say to your face I ain’t like you.

I will never live like you
And you will never walk my path so…
Fuck you and your society too.

Once again I’m a King of Nothing,
’cause nothing’s what I am and nowhere is where I’ll be.
I’m a nowhere man from Nowhere, U.S.A.
It’s a dead end street near you.
They broke my heart, they stole my soul and why?
I’ll never know.
I’m exiled from all of you so…
Fuck you and the whole world too ’cause I will never live like you.

If you don’t like it… you can suck my dick.

Bild: laut.de

Anarchie en France

Manche Menschen überraschen immer wieder durch ihre schlichte Dreistigkeit. Remi Gaillard ist so jemand. Von dem Chaoten schlechthin gibt es zig Videos auf YouTube, eines dabei rücksichtsloser als das andere. Ob er als Schwein verkleidet eine Metzgerei stürmt, Mario-Kart im Straßenverkehr veranstaltet oder das DriveIn von McDonald’s veräppelt, die Videos faszinieren dadurch, dass Remi sich einfach alles zu trauen scheint, aber irgendwie auch alles kann. Und sind in ihrer Asozialität einfach verdammt lustig.

Bild: www.rebelart.net

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