Bei uns sind gestern zum wiederholten Male Leute in der Straße aufgetaucht, die sich als Telekom-Angestellte ausgegeben haben und von Haus zu Haus gegangen sind. Zum Beweis ihrer Vertrauenswürdigkeit hatten sie sich extra tolle schwarze Jacken mit dem T-Logo angezogen. An der Tür haben sie dann etwas von einer angeblichen Gebührensenkung erzählt und dass sie deswegen eine Rechnung von der Telekom sehen müssten. Das ist natürlich völliger Humbug. Die Telekom muss ihre Mitarbeiter nicht als Hausierer von Tür zu Tür schicken, um Rechnungen einzufordern, die sie selbst verschickt hat. Diese Leute wollen Daten sammeln, um sie dann an Werbefirmen zu verkaufen. Also ein bisschen wie Phishing, nur offline. Wenn bei euch jemand von diesem Pack klingelt, jagt ihn zum Teufel.

WikiLeaks dürfte den meisten ja bereits bekannt sein, trotzdem kann man sich wohl kaum vorstellen, was das Projekt konkret an Aufwand und Stress für die Beteiligten bedeutet. Interessante Einblicke in dieser Hinsicht gibt eine Ausgabe des “Küchenradio”-Podcasts. Daniel Schmitt, Mitarbeiter des Kernteams von wikileaks.org, redet mit Philip Banse ca. 100 Minuten in der für “Küchenradio” typischen, entspannten Atmosphäre über das Projekt. Weniger entspannt ist natürlich das Thema, um das es geht: die permanente finanzielle Anspannung,der das WikiLeaks-Projekt ausgesetzt ist, Repressionen durch staatliche Behörden und die immer wieder erschreckenden Dinge, die überhaupt erst durch WikiLeaks ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Momentan sind die Macher von WikiLeaks dabei, in Island eine Art “sicheren Hafen” für journalistische Veröffentlichungen aufzubauen, wozu in Kooperation mit dem dortigen Parlament eine Zusammenstellung der besten Gesetze zu diesem Thema aus aller Welt erarbeitet wird. Die Sendung stammt aus dem März, und liegt damit also noch vor der Veröffentlichung des “Collateral Murder“-Videos, das am 5. April ins Netz gestellt wurde.

Link: KR254 Wikileaks (Island Edition)

Außerdem sei an dieser Stelle eine weitere Ausgabe des Küchenradios empfohlen, nämlich die Sendung mit dem Berliner Stadtsoziologen Andrej Holm, der im Juli 2007 wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, gemeint war die “militante gruppe”, verhaftet wurde. Das Verfahren wurde zu einer großen Blamage für Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Geschichte zeigt anschaulich die mittlerweile grassierende Paranoia gegenüber der vermeintlichen Bedrohung von links, wobei man bei den Ermittlungen auch gerne mal fünfe gerade sein lässt. Peinlich!

Link: KR252 Andrej Holm

Diagnose: Horst

Endlich weg, der Depp. Klar, seine Handelswege-freibomben-Äußerungen sind nichts anderes als das, was ohnehin Praxis ist. Trotzdem gehört eine gehörige Prise Dreistigkeit dazu, sowas abzusondern. Und dann auch noch einen auf Majestätsbeleidigung machen und von “mangelndem Respekt vor seinem Amt” faseln. Wenn er wirklich falsch verstanden worden wäre, hätte er sich ja erklären können, statt zurückzutreten. Man wünscht sich, das wäre bei allen Politikern so leicht. Leider sind die meisten etwas kritikresistenter. Es bleibt die Frage: wer kann unseren armseligen Staat eigentlich besser repräsentieren als ein imperialistischer Ex-IWF-Direktor? Roland Koch und Jürgen Rüttgers sind ja jetzt frei. Dann doch lieber Lena Meyer-Landrut.

np: Blumentopf – Horst

Vergängliche Kunst

Durch den Tipp eines Freundes bin ich auf Andy Goldsworthy aufmerksam geworden. Goldsworthy (saucooler Name übrigens!) ist ein Vertreter der sogenannten “Land Art” und benutzt für die Erstellung seiner Kunstwerke (fast) ausschließlich Materialien die er in der Natur findet. Die Kunstwerke sind meist sehr vergänglich, deshalb hält er sie auf Photos fest.

Das Video ist übrigens göttlich, wie er einfach so da sitzt, während alles zusammenbricht. Jeder andere wäre ausgerastet, frustriert, aber er macht einfach weiter mit seiner Kunst.

Wer beleidigt, will provozieren. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Eine Beleidigung soll nach Möglichkeit Aufmerksamkeit erzeugen und, zumindest wenn sie nicht scherzhaft gemeint ist, treffen, runtermachen, verletzen. Dabei unterliegen Schimpfwörter, genau wie alles andere auch, sehr stark gesellschaftlichen Trends. Sehr etabliert waren lange Zeit die Dauerbrenner “Hurensohn” und, etwas subtiler, “Lauch”. Diese Beleidigungen sind ebenso pointiert wie zweckmäßig und erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Ein zeitloses Patentrezept beim Beleidigen ist es, Personen, die dem Beleidigten emotional nahe stehen, anzugreifen. Besonders geeignet ist dafür die Mutter. Jeder hat eine, und (fast) jeder liebt seine eigene Mutter, sodass das Niedermachen dieser fast immer den gewünschten Erfolg erzielt. Auch wenn das Beleidigen eigentlich unbeteiligter Mütter diesen gegenüber natürlich ziemlich unfair ist, besteht ein gewisser Konsens, dass man es trotzdem tut, wodurch das Ganze doch wieder fair ist. Die Mütter können notfalls natürlich die Mutter des sie Beleidigenden zurückbeleidigen. So weit, so gut.

Schaut man sich jedoch die in letzter Zeit gängigen, “jungen” Beleidigungen an, kann einem schon die Kotze hochkommen. Ich meine, dass es jetzt anscheinend voll im Trend liegt, das Wort “Jude” als Schimpfwort zu benutzen. “Der Jude hat mich gejudet ey, voll jüdisch”. Klar, jeder macht es. Arschlöcher, nette Leute, jeder halt. Und jetzt mal ehrlich, diese ewige Politische Korrektheit ist doch voll verklemmt. Was hat unsere Generation denn noch mit dem Hitlerzeug da zu tun? So sieht anscheinend die Rebellion einer geistig vollständig verkommenen Generation aus. Anstatt sich gegen die tatsächlich vorhandene, allgegenwärtige Scheiße aufzulehnen, greift man den ohnehin spärlichen, antifaschistischen Konsens, den es in der deutschen Öffentlichkeit gibt, an, indem man den “tapferen” Tabubruch begeht, endlich mal wieder gehörig über die “Drecksjuden” zu lästern.

Wer sowas sagt, wird komisch angeguckt. Moralapostel. Ist doch alles nur Spaß. Haha. Und die anderen Top-Beleidigungen auch. Voll schwul, diese Kanaken. Total behindert. Irgendwie beängstigend: alle der beliebtesten Beleidigungen sind Feindbilder der Nazis. Wenn das der Führer wüsste… er wäre sicherlich ganz außer sich vor Verzückung. Vielleicht übertreibe ich, und es ist alles nur ein Trend. Sicherlich haben viele derjenigen, die so beleidigen, wirklich nichts gegen Juden. Ich bin kein Psychologe. Was geht in Hirnen vor, die nach einer Beleidigung, also nach dem Ausdruck von etwas Schlechtem suchen, und dann nur bei Juden, Behinderten und “Kanaken” landen? Bleibt da was hängen? Eines ist sicher. Wirkliche Nazis werden wieder gesellschaftsfähig. Was soll man denn noch jemandem entgegenhalten, der öffentlich über Juden lästert, wenn das “jeder tut”? Und zu guter letzt: Was sollen die Juden dabei denken, fühlen? Die Behinderten?

Ich jedenfalls halte mich lieber an die uncoolen, politisch korrekten Beleidigungen und beschimpfe Leute gepflegt als Hurensohn, Lauch oder Schmock. Oder eben als Drecksfaschist.

np: Wizo – Raum der Zeit

Jetzt, wo du tatsächlich den Abgang machst, ist das ganz anders, als man es sich immer vorgestellt hat. Fast kommt mir es so vor, als ob wir dich vermissen werden. Nicht dass sich jetzt irgendetwas ändern würde. Denn der nächste, der genau so ist, steht schon parat. Bouffier, heißt es. Um zukünftige Ausländerbashing- und “Kommunisten stoppen”-Aktionen müssen wir uns also keine Sorgen machen. An Armleuchtern mangelt es der Hessen-CDU wahrlich nicht. Trotzdem wirst du uns fehlen. Einen Unsympathen wie dich muss man erstmal finden. Mach’s gut, und viel Spaß in der Wirtschaft.

Hallo, gehts noch?

Heute morgen beim Frühstücken entdeckt, dass in den Löchern des in Scheiben geschnittenen und in Plastikpäckchen abgepackten Käses so eine Art Gegenstücke zu den Löchern drin waren. Also so, als wären die Löcher mit einem Stanzgerät ausgestanzt worden, mutmaßlich einem runden Metallrohr, mit scharfer Kante, wie manche Leute es auch verwenden, um das Kerngehäuse eines Apfels herauszulochen. Die Frage ist jetzt, was dreister ist: Dass die Löcher unecht sind und nur ausgestanzt werden, oder dass der Lochverschnitt im Käse vergessen wurde. Werde in Zukunft mit Argusaugen darüber wachen, ob die Lochkonstellationen in den Käsescheiben Rückschlüsse auf die genaueren Umstände dieses Konsumentenbetrugs zulassen.

Pass auf, Alnatura!

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