Wohl kaum ein Album der letzten Jahre wurde so lange sehnlich erwartet wie die neueste Platte von Gun’s and Roses. So versprach Dr. Pepper sogar, jedem US-Bürger eine Dose Cola zu schenken, falls das seit Mitte der 90er angekündigte Album noch im Jahr 2008 erscheinen sollte. Wider Erwarten war das dann auch so. Am 22. November kam das Werk in die Läden – und konnte die hoch gesteckten Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. So heißt es zum Beispiel in der Rezension bei laut.de:
…denn angesichts dieser weinerlichen Grütze heult man dem hinterher, was dereinst einmal Guns N’ Roses gewesen ist. W. Axl Rose hat es letztlich doch fertig gebracht, aus einer der explosivsten Rockbands des Planeten ein musikalisches Kabarett zu machen. Wirklich verdammt traurig.
Zu Recht erinnert sich schon jetzt keiner mehr an die Scheibe. Außer vielleicht der Plattenfirma, für die der Flop natürlich auch einen bitteren Umsatzausfall bedeutet. Da werden Sündenböcke gesucht. Das sind natürlich nicht die Musiker oder Axel Rose, die den Schrott fabriziert haben, sondern der sowieso allgemein furchtbarste Kriminelle, der Raubkopierer. Denn wenn die potentiellen Käufer hören, wie schlecht das Album ist, ist das natürlich doof. Der US-Blogger Kevin Cogill, der vorab ein paar noch unveröffentlichte Songs auf seinem Blog postete, soll nun zu 6 Monaten Haft verurteilt werden. Dieses drakonische Strafmaß ist wohlgemerkt nicht der Vorschlag der Plattenfirma, sondern der der Staatsanwaltschaft. Die Rede ist von angeblichen Umsatzeinbußen in Höhe von 371.622 Dollar. (Wie man das ausrechnen soll? Keine Ahnung, aber anscheinend wird davon ausgegangen, dass jeder, der die Songs online kopiert oder gehört hat, sie auch gekauft hätte. Da hat man so eine Summe natürlich schnell zusammen.) Wer vermutet, dass die Justiz längst zum Spielball der Musikindustrie geworden ist, ist natürlich ein Verschwörungstheoretiker.
Fragen, die ich mir stelle:
- Wie viele Millionen Jahre müssten nach der Logik die Verantwortlichen der Finanzkrise hinter Gitter?
- Wann versteht die Musikindustrie endlich, dass ihre Krise nicht an den Raubkopien liegt, sondern daran, dass sie einfach Scheißmusik produziert und sowieso jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt hat?
Es gibt ja auch andere Beispiele. Die Musikindustrie könnte sich ein Vorbild an der Pornoindustrie nehmen – die hat nämlich von der Etablierung des Internets stark profitiert. Ideen muss man haben…

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