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Soziale Revolten

Der Sturm auf die Bastille, 14. Juli 1789

Der Sturm auf die Bastille, 14. Juli 1789

Ein lustiger Running Gag von Urban Priol ist, dass die Franzosen bei jedem Anlass auf die Straße gehen, militant ihre Meinung vertreten und den Streik ausrufen, während die phlegmatischen, behäbigen Deutschen froh sind, dass sie überhaupt noch eine Regierung haben.

Wenn man sich die aktuellen Reaktionen auf Finanz- und Wirtschaftskrise so anschaut, kann man dem Mann nur recht geben. Zwar hat der DGB-Chef Sommer vor sozialen Unruhen gewarnt, doch konkret passiert ist bisher nichts, außer dass ihm dafür Stimmungsmache, ja sogar Stimmenfang am rechten Rand (Seehofer) vorgeworfen wird. “Deutschland ist ein funktionierender Sozialstaat” (Scholz) – und wer die immer weiter auseinanderklaffende soziale Spaltung, die unser funktionstüchtiger Sozialstaat vorzuweisen hat, anspricht, der ist ein Links-, ne sogar Rechtspopulist. Trotzdem nichts los in Deutschland: warum sollte man auch gegen eine Regierung demonstrieren, die mit Abwrackprämie und Investitionen in so tolle Dinge wie Pistolen und Teppiche all ihre Kraft aufwendet, um die Konsequenzen der Krise abzuschwächen?

Dagegen sind die Zustände in Frankreich nahezu revolutionär: Spitzenmanager werden von erzürnten Arbeitern eingesperrt, um Massenentlassungen zu verhindern, Milliardäre werden in Taxis umzingelt und Firmenchefs mit Eiern beworfen. Zwar werden diese Taten jetzt strafrechtlich verfolgt, sonderlich groß scheint der Rückhalt dafür in der Bevölkerung aber nicht zu sein:

Die Öffentlichkeit zeigt Verständnis für die radikalen Reaktionen. Nach Meinungsumfragen sind nur 7 Prozent der Franzosen grundsätzlich gegen Freiheitsberaubungen. PolitikerInnen schätzen die Lage als explosiv ein. Der sozialdemokratische Expremierminister Laurent Fabius hält “soziale Revolten” für möglich. (taz)

Dreiundneunzig Prozent sind also nicht grundsätzlich gegen die Freiheitsberaubung – nach sozialer Harmonie klingt das nicht. Eher so, als ob wir demnächst Zeitzeugen einer neuen französischen Revolution werden dürfen. Wahrscheinlich übertreibe ich. Aber auch wenn man nicht gleich die Firmenbosse einsperren muss: Ein kleines Scheibchen revolutionären Enthusiasmus könnten wir Deutschen uns von den Franzosen schon abschneiden.

Bild: wikimedia.org

Natürlich finde ich es nicht so gut, dass wir fast ausschließlich von Internetausdruckern regiert werden. Es wäre wünschenswert, wenn die neuen Möglichkeiten, die das Netz zum Meinungsaustausch, zur politischen Diskussion etc. bietet, von der Politik mehr wahrgenommen würden. Doch es tut sich ja was: Twitter liegt aktuell voll im Trend. Mir hat sich der Sinn dieses Twitterns zwar noch nicht ganz erschlossen, aber vielleicht kommt das noch. Bei parteigefluester.de kann der interessierte Wähler im direkten Vergleich sehen, was die Politiker der einzelnen Parteien so zu sagen (also zu zwitschern) haben. Zumindest von CDU, SPD, FDP und Grünen. “Die Linkspartei wird derzeit nicht beobachtet, da deren Aktivitäten bei Twitter zu gering sind.”, erfährt man auf der Infoseite. Wie immer ewiggestrig, diese Sozialisten, aber zum Trost werden sie ja immerhin vom Verfassungsschutz beobachtet. Was geht bei den anderen?

Traditionelle Werte, kombiniert mit neuester Technik. Wer würde so jemanden nicht wählen wollen? Besonders tut sich bei der Union ein gewisser LukasKilian hervor.

Elendes Vorwahlkampf-Bashing, jaja. Schlimme Sache, das.

Ganz raffiniert, die SPD mit den Kinderporno-Vorwürfen gegen Jörg Tauss zu dissen. Mit Vorwahlkampf-Bashing oder so hat das natürlich gar nichts zu tun. Entnervt schalte ich meinen PC aus.

Spät in der Nacht gucke ich mir dann die SPD an: Wie immer total langweilig.

Gute Nacht zusammen! Grüße an alle neuen Follower! Greetings to all new followers!
vor 40 Min @ web

Aha. Wie sieht es mit den Liberalen aus?

muss gerade über den versprecher “trockenes wasser” schmunzeln ;)
vor 3 Std @ twitterrific

Ja, haha! Viel interessanter wirds auch nicht. Aber immerhin gibt es noch einen Link zu Dirk Niebel, der über die Stärkung der Mittelschicht schwafelt. Last but not least: Die Grünen. Auch da finde ich irgendwie nichts, was annähernd interessant sein könnte.

anstrengende woche hinter mir, und nun hängt der ice fest. da bleibt zeit ins neue bundestagswahlprogramm zu schauen.
vor 3 Std @ TwitterFox

Hmmm. Und das soll mich überzeugen, eine dieser Parteien zu wählen. Lauter dröger Stuss, der mich keinen Meter interessiert. Einzig TSG (“der Echte”) schreibt wirklich interessanten Kram, aber da steckt auch die Titanic dahinter. Aber bei dem restlichen Rumgetwitter wird man doch erst recht politikverdrossen.

Oha: Wolfgang Schäuble, unser sicherheitsbewusster Bundesminister des Innern, engagiert sich jetzt gegen Vorratsdatenspeicherung! Das kann man auf seiner offiziellen Homepage erfahren.

Toll! Ne, im Ernst: Die Seite wurde über eine Sicherheitslücke im Typo3-System gehackt. Schäubles Passwort lautete treffenderweise “gewinner”. Und das war nicht das erste Mal, dass die Schäublepage gekapert wurde. Da fühlt man sich gleich besser, wenn man weiß, dass solche Fachleute für die Sicherheit des Internetzes zuständig sind!

Bild: flickr

tornado

Tornado-Einsatz

Die heutigen Jugendlichen machen in vielerlei Hinsicht Probleme. Stundenlang ballern sie sich in Killerspielen gegenseitig die Köpfe zu Pudding, wenn es aber dann ans wirkliche Töten geht, will auf einmal keiner mehr. Die Bundeswehr leidet sehr darunter, denn das faule Pazifistengesocks gefährdet ihre Existenz. Um ihr Image aufzubessern, veranstaltet sie mittlerweile kostspielige Werbekampagnen.

Genaueres kann man in einem guten Artikel bei Spiegel Online erfahren. Besondere Highlights sind die Statements des Oberstleutnants Broich und seiner Kollegen. Im Folgenden einige Auszüge:

Broich glaubt, den Grund für das Nachwuchsproblem erkannt zu haben. Die Leute wüssten einfach nicht, wie der Beruf des modernen Soldaten aussehe, sagt er. “Viele denken doch, wir laufen den ganzen Tag im Wald rum und spielen Krieg.”

Dabei sind die Zeiten, als Bundeswehrsoldaten nur in deutschen Wäldern für den Verteidigungsfall übten, längst vorbei. Im Namen von geostrategischen Interessen Demokratie und Menschenrechten darf der Soldat von heute nämlich bei echten Angriffskriegen mitmachen. Die sind auch nicht im Wald, sondern in der Wüste, und gespielt ist der Krieg dann überhaupt nicht. Nach den anstrengenden Front-Aktivitäten darf man die eigenen Erfahrungen außerdem an wissbegierige Jugendliche weitergeben. Auf ihre Kindersoldaten ist die Bundeswehr besonders stolz.

Der Junge guckt irritiert. “Muss ich da an die Front?” Sein Vater fügt an: “Na ja, mein Junge meint, wenn er zum Beispiel in den Irak muss.” “Da sind wir nicht stationiert”, sagt Wendler schnell, aber er kann die Situation nicht mehr retten, …

Ein Einsatz im Irak wäre für die deutsche Regierung absolut undenkbar. Lediglich politische Splittergruppierungen (CDU/CSU) befürworteten damals ein militärisches Engagement im Irak.

Ein Mädchen will Krankenschwester beim Militär werden, aber in Sachsen bleiben. “Wir sind die Bundeswehr, keine Sachsenwehr”, brummt der Stabsfeldwebel.

Gegen die messerscharfe Logik des Feldwebels ist kein Kraut gewachsen. Nach Sachsen gehört die Sachsenwehr, umgekehrt kämpft die Bundeswehr in Bundes-… Afghanistan.

patrick

Heutzutage seltenes Bild: Begeisterter Rekrut bei seiner Vereidigung

… hinzu kommen die Vorurteile. Längst hat sich unter jenen, die etwas vorhaben mit ihrem Leben, die Ansicht verbreitet, die Bundeswehr sei ein Club der Verlierer.

Absolut unverständlich ist, wie es zu einem solch verzerrten Bild kommen kann. Die Bundeswehr kann doch eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorweisen. Seit seiner Bombardierung hat sich das Kosovo in einen blühenden Drogenumschlagplatz unter Mafiaherrschaft verwandelt, in Afghanistan finden immer mehr vormals perspektivlose junge Männer ihren Traumjob. Bei den Taliban.

Zwischen Staubsauger- und Wurstfabrikanten erzählen zwei Feldjäger im Tarnanzug von ihren Erlebnissen in Kabul und im Kosovo. “Wer bei uns unterschreibt, der weiß, worauf er sich einlässt”, sagt der eine. “Na ja”, erwidert der andere. “Als ich unterschrieb, gab es noch keinen 11. September.”

Nur selten hat man das Glück, auf solch langjährige Veteranen zu treffen. Seit wann es den 11. September genau gibt, lässt sich so einfach nicht sagen, fest steht jedoch, dass er schon den alten Römern ein Begriff war.

Fazit:

Die Bundeswehr hat eine echte Überzeugungsoffensive gestartet, die Erfolgsaussichten sind vielversprechend. Um die Jugend noch flächendeckender erreichen zu können, wäre aber zum Beispiel eine Kooperation mit SchülerVZ sinnvoll. Ein paar markige Slogans könnten dabei sicherlich nicht schaden.

Bildquellen: www.geckoandfly.com, www.unitedspongebob.com