Fassbinder

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Deutschland CC

Deutschland 09 ist ein Filmprojekt, zu dem 13 deutsche Regisseure Kurzfilme gedreht haben. Mit Akin, Levy, Weingartner, Becker und Tykwer sind die Regisseure keinesfalls Unbekannte in der deutschen Kinolandschaft. Klingt nach einer Remineszenz an “Deutschland im Herbst” von Schlöndorff, Kluge, Fassbinder etc.

Über 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, 40 Jahre nach dem studentischen Aufbruch 1968, 30 Jahre nach dem “Deutschen Herbst” 1977, 20 Jahre nach dem Fall der deutsch-deutschen Grenze 1989 und mitten im gesellschaftlichen Umbruch der “Agenda 2010″ auf dem Weg in die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts, findet sich eine Gruppe von Kino-Regisseurinnen und Regisseuren aus Deutschland zusammen, um aus ihren individuellen Blickwinkeln ein Panoramabild der gesellschaftlichen und politischen Situation der heutigen Bundesrepublik zusammenzusetzen.

Sehr gewagt und vollmundig. Darf man jedoch den Pressekritiken glauben schenken, ist der Film dumm und von schwankender Qualität. Tja, irgendwie war das ja abzusehen, schließlich lässt sich ein 30 Jahre altes Konzept nicht einfach auf eine neue Zeit anwenden, ohne das Konzept kreativ neu zu gestalten. Denn im Jahr der Finanzkrise zahlt der deutsche Bundesbürger Geld um sich die Interpretation seines Elends und seiner Armut anzuschauen. Das nenn ich doch revolutionär! Auch wenn es nicht so wirkt, ich finde den Grundzug der Idee toll, auch dass sich Regisseure Gedanken machen über Deutschland und das aktuelle einfangen wollen. Gerade deswegen bin ich auch so enttäuscht darüber, wie sich das Projekt präsentiert, wenn wir mal vom Inhalt der Beiträge absehen. Warum nicht einfach mal das ganze Projekt unter Creative Commons stellen? Jedem frei zugänglich, jeder darf es editieren, sei es Musik, Ton und Bild. Das wäre eine Form von neuem Film, die das porträtierte Volk einbindet. Filmemacher, Musiker oder Künstler könnten das Material benutzen, um neue Werke zu schaffen, ihren eigenen Werken mit einer Hommage an das verwendete Material eine andere Dimension zu geben. Es würde Zuschauer von der passiv zahlenden Rolle befreien und Kino in Deutschland völlig umkrempeln. Vom Inhalt von “Deutschland 09″ sollte sich jeder selbst ein Bild machen, aber trotzdem zitiere ich hier gerne das Ende der Filmkritik von SPIEGEL:

In den Kinos startete soeben mit sensationellen 600.000 Wochenendbesuchern Mario Barths “Männersache”, ein Film voller widerlicher Kalauer in widerlicher Kulisse. Es steht zu befürchten, dass in jeder Minute des Barth-Werks mehr deutsche Gegenwart steckt als in den 150 Minuten des eitel fotografierten Sammelwerks.

“Deutschland 09″: Dieser Omnibus rollt definitiv ins Nirgendwo.

Bild: language.iastate.edu