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Monsanto quo vadis?

Dass Monsanto kein lammfrommes Unternehmen ist, dürfte selbst Sven Bømwøllen klar sein, machten sie doch mehrfach in ihrer Firmenhistorie negativ auf sich aufmerksam. Nicht verwunderlich, dass die Lister der Kritiker von Monsanto und genverändertem Saatgut lang ist. Neu ist, dass die Liste um die CSU erweitert wurde. Die CSU ist einer Meinung mit Grünen und Linken? Das fordert auch mir, einem der CDU/CSU skeptisch gegenübersteht, Respekt ab. Jedoch müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange gezögert und/oder in die falsche Richtung gerudert zu sein. Aber wenn der bayerische Umweltminister Markus Söder Deutschland zu einer “gentechnikanbaufreien Zone” machen will, habe ich noch Hoffnung für unsere Umwelt in Deutschland!

Dass Monsanto natürlich keinerlei Grund für ein Verbot sieht, war abzusehen und auch eine Klage auf EU-Ebene ist nicht unwahrscheinlich. Ihre Aussage gründen sie auf unabhängige gekaufte Forscherberichte. Bleibt nur die Frage: wenn sogar die Konservativen sich gegen Monsanto stellen, wohin kann Monsanto dann in Zukunft? Ich wäre für eine Kooperation mit Blackwater Xe, die Cocaine Import Agency und… Ach lassen wir das!

Bildblog verabschiedet sich von der reinen Bild-Kritik und wird zum allgemeinen Watchblog für deutsche Medien. Finde ich gut – die Kritik an der Bildzeitung ist zwar notwendig, aber das eigentliche Problem ist mittlerweile ein anderes. Dass die Bild ein verlogenes Kampfblatt ist, ist eh jedem bekannt, der sich dafür interessiert. Da ist das Ausmaß der Manipulation, Fahrlässigkeit und Verblödung, das der sogenannte Qualitätsjournalismus mittlerweile fabriziert, das viel größere Problem. Deswegen finde ich den Schritt der Bildblog-Macher sinnvoll und bin gespannt, wie sich das Bildblog mit der neuen Herausforderung so macht.

Bild (lol!1): mkorsakov auf flickr.com

Viel zu naheliegend erscheint es häufig, angesichts der herrschenden weltpolitischen Lage zum Zyniker zu werden, und den Traum von einer besseren Welt an den Nagel zu hängen. Die Vorstellung, dass man eine Zeitung aufschlagen könnte, und darin auch einmal überwiegend gute Nachrichten vorfinden würde, bereitet auch mir große Schwierigkeiten.

Gegen diesen Pessimismus richtet sich die aktuelle Aktion von Attac. Inspiriert von einer ähnlichen Aktion der Yes Men mit der New York Times, haben die Globalisierungskritiker eine gefälschte Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit gebastelt, die auf den 1. Mai 2010 datiert ist. Sie beschreibt eine Welt, wie Attac sie sich wünscht: Umverteilung des Reichtums, ein Ende des “Krieges gegen den Terror”, Regulierung der Finanzmärkte, mehr Investitionen in Umweltschutz, Schulen und Sozialsysteme. Dass dies möglich ist, und zwar in absehbarer Zeit, ist die Botschaft – man muss es nur wollen. Die PDF-Version der Ausgabe lässt sich auf der Website der Attac-Zeit herunterladen, die Printausgabe liegt am Montag der taz bei. Sehr gelungen sind auch die Anzeigen, so wirbt zum Beispiel eine Initiative Neue Soziale Marxwirtschaft.

Tolle Aktion, finde ich. Und schnappe mir ein Zitat von Ernst Bloch. :)

Eine Landkarte, worauf das Land Utopia fehlt, verdient nicht einmal einen Blick.

Was soll man noch zu der Berichterstattung über den Amoklauf1 in Winnenden sagen? Dass BILD skrupellos jede menschliche Tragödie bis zum Äußersten ausschlachtet, ist ja nichts Neues. Und trotzdem verblüfft mich der Grad an moralischer Verwahrlosung, den sie dabei an den Tag legen, auch diesmal wieder. In der heutigen Ausgabe gibt es wilde und lüsterne Spekulationen über die Motive des Täters, reihenweise unverfremdete Bilder und Namen der Erschossenen (um den Pressekodex hat sich BILD ja noch nie geschert), aus jeder Zeile trieft die Ergötzung an dem Blutbad. Wer stets auf dem Laufenden bleiben will, kann sich das blutige Infotainment bei BILDs eigenem Twitteraccount reinziehen.

Wichtige “Erkenntnisse”:

  • Der Amokläufer hatte Pornobilder auf dem PC (hätte er die BILD gelesen, bräuchte er das nicht, da gibts schließlich jeden Tag eine Onaniervorlage auf Seite 1)
  • bild.de liefert hochaktuell Screenshots von Online-Ankündigung der Tat (Die Amok-Ankündigung in einem Chatroom stammt zweifelsfrei vom Täter.”, in Wirklichkeit ist die Ankündigung ein Fake, siehe weiter unten)
  • bild.de liefert hochaktuell Videos von der Bluttat
  • Amokläufer spielte Counter-Strike

Beim letzten Punkt schrillen natürlich wieder die Alarmglocken der CSU-Maulhelden und Konsorten. Der Kriminologe Dieter Schwind fordert im Interview mit dem Focus angesichts des Amoklaufs jetzt ein komplettes Verbot von “Gewaltspielen”. Die Begründung ist umwerfend.

„Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können.“

A propos Focus. Dessen Liveticker kann mit seinem BILD-Pendant in Sachen Skrupellosigkeit locker mithalten. Immerhin ist er fachlich ein bisschen aktueller.

Tim K. hat seinen Amoklauf in #Winnenden wohl doch nicht im Internet angekündigt. Die Ermittlern haben sich geirrt.

Oje. Dabei war sich BILD doch so sicher.

Leider ist die übrige Berichterstattung nicht bedeutend besser als der Müll von BILD und Focus. Die Gier nach Einschaltquoten und Klickzahlen sorgt für eine Abwärtsspirale, was Niveau und Angemessenheit betrifft. Die Öffentlich-Rechtlichen machen munter mit beim inszenierten Gegrusel. Über die wirklichen Ursachen und mögliche Maßnahmen nachzudenken, hat dann aber doch keiner Lust, das ist unangenehm und bringt keine guten Quoten. (An dieser Stelle sei anerkennend auf Hagen Rether hingewiesen.)

Der Spiegelfechter vertritt in einem sehr lesenswerten Artikel die These, dass die reißerische Berichterstattung der Medien ein Grund für die häufigen Amokläufe sein könnte. Und Bildblog befasst sich mit dem Getwitter und der Printausgabe von BILD.

  1. Die Amokläufe in Schulen werden von vielen Psychologen gar nicht als solche bezeichnet, weil sie länger im Voraus geplant werden. Der wahrscheinlich korrekteste Begriff ist “School shooting”, der ist mir aber zu sperrig, deswegen schreibe ich trotzdem Amoklauf. Damit weiß auch jeder, was gemeint ist. []

Die Kunstform des Anime wird in westlichen Gefilden eher müde belächelt. Viele verbinden damit grellbunte, Epilepsie verursachende Stopmotion-Comics, gefüllt mit schlechten Witzen, an pubertierende Jugendliche gerichtete Erotik und Stereotypen. Natürlich sind diese Vorwürfe teils berechtigt, zumindestens wenn man nur das wahrnimmt, was seit den 90ern in die deutschen Wohnzimmer geschwemmt wurde. Man wurde mit Beyblade, Yu-Gi-Oh! oder wie sie heißen bombardiert. Endlossendungen, deren Inhalt gleich leer war, so dass nach zwei Folgen das komplette Prinzip der Serie bekannt war, und trotzdem war es bei den Kindern erfolgreich. Die wirklichen Meisterwerke des Anime konnten sich in Deutschland damals vorerst nicht durchsetzen.

Neon Genesis Evangelion wirkt auf den ersten Blick wie ein aus Transformers, süßen Mädchen, Slapstick und Action gefüllter Anime. Diese Annahme ist komplett falsch, denn Neon Genesis Evangelion ist in allen Belangen ein starker Anime. Shinji ein schüchterner und ängstlicher Junge der dazu berufen ist, einen Evangelion, einen hochhausgroßen Kampfroboter, zu steuern. Die Erde wird von Engeln bedroht, über dessen Wesen man so gut wie nichts weiß, außer dass es einen Evangelion braucht, um sie zu vernichten. Evangelions sind von Menschen geschaffene Kampfroboter, die über genug Kraft verfügen, einen Engel zu zerstören, was normalen militärischen Mitteln wie Bomben oder Panzern nicht gelingt. Die Reaktion auf die Engel ist somit die einzige Chance der Menschheit zu überleben, da nicht geklärt ist, woher die Engel überraschend auftauchen. Ausgefeilte und mit Tiefe versehene Charaktere zeichnen die Serie aus, deren Gehalt weit über die narrative Ebene hinausreicht. Untermalt wird das alles von atemberaubenden Schnitten bzw. Animationstechniken und einem (meist) guten Soundtrack. Die innovative Animation sticht hierbei besonders heraus. Sie erreicht in Szenen, in denen sich die Personen in sich selbst zurückziehen, auf außergewöhnlich authentische Weise die Gefühlsebene der Zuschauer, fesselt ihn in den Emotionen der Charaktere.

Mit Neon Genesis Evangelion ist es Hideaki Anno gelungen, viele Stile in sich zu vereinen, und in 26 Folgen eine Geschichte der Menschen zu erzählen, mit wenig Make-Up und sehr radikal. Zu Recht wird seine Serie als eine der vier Anime-Revolutionen bezeichnet, ein Meisterwerk!

Bild: amazon.de

GIGA – Game over!

GIGA macht dicht. Sie werden von Premiere aus dem Programm genommen und auch die Internetplattform giga.de soll geschlossen werden. Fürs erste hat mich diese Nachricht, die omnipräsent in den Internetmedien war, geschockt. GIGA, das war dieser Sender der mich PC-affin gemacht hat. Denke ich an GIGA zurück, dann sind da Eddy, Shu, Simon, Budi, Nils, das große G, dieses Backsteinstudio und dieses wunderbare Communityprinzip. Wer damals noch keine gute Internetverbindung besaß, wie ich, konnte sich nicht einfach so jedes Spiel oder schon Demo wie heutzutage mit Breitband runterladen. Unteranderem deswegen habe ich GIGA geschaut, aber auch um unterhalten zu werden oder die neusten Infos zu bekommen. Mit dem Alter und dem Breitbandinternet verlor ich langsam das Interesse an GIGA und vergaß es fast das es noch gab. Das war das Problem von GIGA, sie entwickelten die Sendung nicht weiter, doch die Internetwelt und auch die Zuschauer änderten sich und ihre Ansprüche. Somit wurde aus NBC GIGA eine Premiere-Sparte.

Irgendwann nachts auf MTV kam GAME ONE. Eine Games-Show auf einem Musiksender? Verwundert stellte ich fest, dass ich die Moderatoren der Sendung kannte, es sind Budi und Simon von GIGA. Ich recherchierte im Internet und fand heraus, dass die beiden sich von GIGA getrennt hatten und nun die 15 bis 30 minütige Sendung GAME ONE auf MTV produzieren. Ich tat es mir mal an und war erstaunt. Budi und Simon schaffen es innerhalb von 30 Minuten mehr oder wenig witzig, aber auf den Punkt gebrachte Spiele Reviews oder Hintergrundberichte zu machen. Ich war begeistert. Die Show ist natürlich keine Weiterentwicklung von GIGA, sondern eine Emanzipation, aber eine derart gelungene, dass ich mir GAME ONE sehr gerne anschaue.

Wenn also eine Petition GIGA in die ARD befördern will, muss die ARD GIGA dazu bewegen, ihr Konzept komplett zu überarbeiten, natürlich mit der vorbildlichen Community-Interaktion. Diese Interaktion darf GIGA aber nicht vollständig bestimmen, sonst kann die Sendung sich nicht mutig weiterentwickeln. Sie müssen entweder wieder zu dem alten Chaos-Sender zurück, oder die Sendung und die Beiträge stark komprimieren um die Zuschauer wieder auf ihre Seite zu bringen. Mein zusätzlicher Vorschlag wäre es, fefe als Moderator für eine wöchentliche Sendung zu engagieren, in der er über die Neuigkeiten der Woche in seinem unverkennbaren Stil berichtet. Das könnte sich als äußerst unterhaltsam herausstellen.

Bild: mtv.de

Wer kennt eigentlich den Freitag? Kaum jemand, was sehr schade ist. Klein und unbekannt fristete die Berliner Wochenzeitung in den letzten Jahren ein Schattendasein in der Medienlandschaft. Auf den ersten Blick etwas altmodisch anmutend, zeichnete sich der Freitag stets durch kritischen und durchdachten Journalismus aus. Nun wurde der Freitag rundum erneuert, mit einem gewagten, aber innovativem Konzept.

freitachVor ein paar Monaten kaufte Jakob Augstein, Sohn von Rudolf Augstein, den Freitag. Schnell häuften sich kritische Stimmen aus der Leserschaft, es wurde eine “feindliche Übernahme” vermutet. Augsteins Äußerungen legten nahe, dass er den Freitag in Richtung des Mainstreams umgestalten würde. Dies wäre in Zeiten des neoliberalen Einheitsbreis wirklich ein großer Verlust für die deutsche Medienlandschaft. Doch die Sorgen scheinen nicht angebracht zu sein. Die alte Redaktion des Freitags bleibt erhalten, wird aber um einige Mitarbeiter erweitert. Das ist logisch, weil der Freitag in Zukunft auch tagesaktuelle Artikel im Internet veröffentlichen will. Zudem hat Augstein eine Zusammenarbeit mit dem britischen Guardian vereinbart, sodass der Freitag künftig auch auf deutsch übersetzte Texte des britischen Blattes veröffentlichen wird. Das Neue am neue Freitag ist, dass auch die Leser sich stark an der Zeitung beteiligen können. Ausgewählte Artikel der Benutzer erscheinen im Onlineangebot, farblich gekennzeichnet, neben den normalen Artikeln, besonders lesenswerte werden sogar in der Printausgabe veröffentlicht. Durch diese Kooperation mit seiner Leserschaft hebt sich der Freitag von den anderen Zeitungen deutlich ab, die (wenn überhaupt) auf ihren Websites meist nur verkümmerte Kommentarbereiche haben. Andererseits birgt das Vertrauen in die Leserschaft auch ein gewisses Risiko, denn die muss das ganze natürlich auch mitmachen. Im Falle des Erfolges wäre es auf jeden Fall ein bedeutender Schritt zu mehr Demokratie in der Medienwelt.

Seit heute (der Freitag erscheint jetzt immer schon donnerstags) gibt es die neue Ausgabe. Auf der Website kann man sie sich im PDF-Format angucken, die Artikel gibt es aber auch alle normal im Online-Angebot. Die Printausgabe macht auf mich einen überzeugenden Eindruck. Die neue Website (“Beta-Version”) finde ich noch ein wenig unübersichtlich, da könnte man noch ein bisschen nachbessern. Alles in allem aber lässt die Neugestaltung hoffen, dass der Freitag bekannter wird. Dann kann man ihn vielleicht auch hier in der Gegend am Kiosk kaufen. Gibt ja auch schon genug Spiegel- und Focus-Schrott.

Screenshot: www.freitag.de