Müntefering

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Politikprimat und Revolutionär Müntefering erzählt uns im FAZ-Interview, warum der Kapitalismus in die Mülltonne gehört. Doch nein, ganz so weit kann man als Volkspartei dann ja noch nicht gehen, nicht der Kapitalismus soll weg, sondern diese Form des Kapitalismus, “die sich den Menschen und der Gesellschaft nicht verpflichtet fühlt”. “So einen Kapitalismus hatten wir?”, fragt die FAZ da ganz perplex. “Ja”, antwortet Müntefering, “Er hat uns in die Krise geführt, die wir jetzt erleben. Da wurde immer das Geld in den Mittelpunkt gestellt: viel Geld, schnell viel Geld. Das eigene Geld soll sich vermehren ohne Rücksicht auf Verluste.” Geld, das im Mittelpunkt steht und auch noch vermehrt werden soll – das klingt wahrhaftig nach einer ganz gemeinen Form des Kapitalismus, die mit dem Kern der kapitalistischen Idee kaum noch etwas gemein hat.

Warum bleiben Sie nicht mit der Union in der großen Koalition? Damit sind doch beide Parteien offenbar recht zufrieden.
Alleine schon aus demokratiehygienischen Gründen sollte nur eine der beiden Großen auf dem Spielfeld sein – wir – und die andere auf der Reservebank sitzen: CDU/CSU.

 Sitzverteilung im 16. Deutschen Bundestag © DBT/Karl-Heinz Döring

Sitzverteilung im 16. Deutschen Bundestag

Spätentens hierin steckt doch die große Wahlverarsche der SPD. Die SPD müsste nicht mit der CDU koalieren. Und auch nicht mit der FDP, aber die würde sich auf ein Bündnis mit den permanent linksruckenden Volksbolschewisten ja eh nicht einlassen. Es gibt im Bundestag eine rot-rot-grüne Mehrheit. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass wir im Herbst wieder eine bekommen. Und würde die SPD ihr sozialdemokratisches Programm auch nur ein bisschen ernst nehmen, dann könnte sie es mit dieser Mehrheit realisieren. Will sie aber nicht. Das ist nicht mehr und nicht weniger als die konsequente Fortsetzung der vergangenen 10 Jahre Regierungsverantwortung, in der die SPD den nun angeprangerten Turbokapitalismus selbst fleißiger vorangetrieben hat, als es die CDU vermutlich je gewagt hätte.

Kapitalismus in die Mülltonne – gerne. Aber dann wrackt die SPD doch bitte gleich mit ab, vielleicht gibts Prämie.

Bild oben: Das Interview mit wordle verwordlet, außerdem dpa; unten: www.bundestag.de

Was links ist, erklärte uns gestern SPD-Urgestein Franz Müntefering in der Frankfurter Rundschau. Wer sich davon irgendeine Erkenntnis erwartet, wird enttäuscht. Lauter pathetische Luftblasen, kein Bezug zur Realität. Fest steht nur eins: Links ist das, was die SPD ist.

Das ist die feste Maxime der Linken: Wir helfen jedem, wir lassen niemanden zurück. Wir organisieren Gesellschaft so, das sich jeder entfalten kann, auch hinfallen – und wieder aufstehen und weitermachen.

Müntefering und seine Agenda-SPD haben die Gesellschaft so organisiert, dass mittlerweile Millionen von Kindern in Armut leben, selbst laut dem ziemlich geschönten Armutsbericht gelten 18% der Deutschen als arm. Die dürfen sich dann, wenn überhaupt, im Niedriglohnsektor “entfalten”. Münteferings Geschwätz ist der reine Hohn. Nimmt man die im Text aufgezählten Ideale halbwegs ernst, dann darf man als “Linker” eins garantiert nicht mehr: SPD wählen. Aber das meint er wahrscheinlich nicht, versteht er sich ja selbst als “links”. Da fällt mir ein nettes Zitat von Spreeblick ein: “… auf jeden Fall wurde mir recht früh klar, dass die selbstgewählte Zugehörigkeit zum Verband der Linken keine Garantie gegen Dachschäden beinhaltete”.

Vielleicht erklärt uns ja bald Josef Ackermann, wie man verantwortungsvoll mit dem Geld anderer Leute umgeht. Oder Ex-Präsident Dabbelju, wie man Konflikte auf friedliche Art und Weise löst. Wäre auch nicht weniger sinnvoll.