
Links Massiv und rechts Illoyal 2005.
Das Internet ist immer wieder für Neuentdeckungen gut. Ein Link, ein Klick, und schon landete ich bei Illoyal. Illoyal ist ein Kölner Rapper mit starken Jazzeinflüssen. Sprechgesang, der sich wirklich so nennen kann, mit Beats die eher Impro-Jazzarrangements ähneln. Die Texte sind abstrakt und hangeln sich an Asozationen entlang und finden ein mal mehr und ein mal weniger schlüssiges Ende. Freundlich, intelligent und offen ist er, was nicht dem medialen Bild von Rappern, das natürlich wie leider zu oft eindimensional gezeichnet ist, entspricht. Auf die Frage nach einem Interview erklärte sich Illoyal prompt bereit, dieses zu führen, und da er in Köln und ich in Nähe Frankfurt lebe, benutzen wir ICQ als Sprachrohr.
Hohlwelt: Dann fang ich doch einfach mal an. Wie kommst du zum Namen Illoyal? Hat er für dich eine Bedeutung oder ist er einfach zum Namen geworden?
Illoyal: Beides. Natürlich war die Rappernamenwahl ganz zu Beginn ziemlich unpassend, unwitzig etc. Dann habe ich mich irgendwann Anfang 2004 in einem lichten Moment an ein Adjektiv, das mir eine Schulfreundin mal in der siebten Klasse verpasst hat (nicht nur die), da ich da wohl mal zwei drei Mal gepetzt hab’, erinnert. Das war eben Illoyal. (Die spricht übrigens die letzten Paar Sätze auf meinem Album! Hallo Frederike!) Mittlerweile passt der Name dann auch immer besser zur Musik, einfach als vielleicht ein bisschen hinterfragend und nicht einengend gebunden an sowohl musikalische als auch textliche vorherrschende Regeln, oder so in der Art.
Du bist, wie ich gesehen habe, Schlagzeuger. Wie kommt man von einem Gebiet, das eigentlich dazu prädestiniert ist die Leute zu Jazz-, Rock-, Metal-”Machern”, die Rapmusik meistens ablehnen, zu machen, zum Rap? Das ist wenn ich mir hier die Musikszene anschaue nämlich der Fall.
Schlagzeugspielen war mein frühster und bleibt mein tiefster Musikimpuls, ich spiele deshalb auch viel länger, als ich rappe. Meine Hörgewohnheiten waren sowieso von Beginn meiner Jugend an total disparat, zwischen manchmal Deutschhiphop von meinen Eltern à la Fanta 4 über mein erstes großes Ding, dem Jazz (der das bis heute ist), viel alternativem und progressivem Rock und ein bisschen Death und Black Metal. Irgendwann kam dann Westberlin Maskulin dazu, und natürlich neben dem Hören auch der pubertäre Wunsch, sich selbst so ein Obszönitätsventil zu schaffen. Dementsprechend hab ich das lange nicht ernst genommen und immer sehr strikt von meinem Schlagzeugspielen in Bands und anderswo getrennt. Ich kam auch über ganz andere Freunde an Rap, die Teilung im Freundskreis besteht quasi heute noch. Dementsprechend kam da natürlich von den meisten Seiten auch ziemliches Unverständnis über so eine Kombination, das sich erst langsam bis heute lockert. Je mehr ich aber Rapgrenzen überschreite, desto mehr der Nichthiphopper haben einen gewissen Zugang dazu. Im Prinzip geb ich dir aber Recht. Die Wenigsten der jeweiligen Subkulturen akzeptieren einander oder gar jemanden, der in beiden Musizierpraxen dabei ist. Read the rest of this entry »
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