Schlafforschung

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Eulen an die Macht

Ich bin kein Experte der Schlafforschung, aber eins war mir schon ewig klar: Dass dieses elende Frühaufstehen für den Unterricht eine sinnlose Qual ist. Zum Glück bekommt die Fraktion der Morgenmuffel jetzt auch von Seiten der Wissenschaft Rückendeckung:

Auch der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zuley warnt vor solch frühem Aufstehen. “Kinder brauchen unbedingt ausreichend Schlaf, sonst leidet ihr Wachstum und ihre Fähigkeit, zu lernen, geht zurück” sagt er und fordert: Kinder sollten zwischen 7.30 und 8 Uhr aufstehen – und frühestens um 8.30 Uhr, besser noch erst um 9 Uhr mit dem Lernen beginnen. (taz: Lasst sie schlafen!)

Zwischen 7.30 und 8 Uhr aufstehen – klingt nach dem Himmel auf Erden. Das wäre für mich ein bis anderthalb Stunden später als das, was bisher grausame Realität war. Der Unterrichtsanfang um acht, bei uns sogar zehn vor, ist so eine typisch deutsche Angelegenheit. Wo sonst gibt es das denn bitte? Zumindest in Berlin scheint die Vernunft Einzug zu nehmen, dort will eine Schule den Unterrichtsbeginn nun auf 9 Uhr verlegen, wie man im oben verlinkten taz-Artikel erfährt. Viele sehen darin wahrscheinlich eine Verlotterung von Ordnung und Disziplin. “1. Berliner Langschläfer-Schule geplant!”, trötete z.B. die Bildzeitung. Laut der Schlafforschung sind Langschläfer/Morgenmuffel aber keine asozialen Penner, sondern lediglich chronobiologisch anders veranlagte Menschen. Man könnte beim frühen Unterrichtsanfang also sogar von Diskriminierung reden. Da ich den Gegensturm der Frühaufsteher (Ornithologen-Jargon: “Lerchen”) schon kommen sehe, ordne ich mal meine Argumente für die Langschläferfraktion (“Eulen”).

  • Die Schlafforschung steht auf Seiten der Eulen (s.o.)
  • Wer glücklicher ist, wenn er früh aufsteht, kann bei etwas späterem Schulanfang ja noch was vor der Schule machen. Umgekehrt haben aber die Spätaufsteher die Arschkarte, die können eben nicht in der Schule noch schlafen
  • Es kommt nicht nur darauf an, wie lange man schläft, sondern besonders darauf, wann man aufsteht. Das kann ich aufgrund meiner eigenen subjektiven Empfindung so behaupten. Das Argument, dass bei späterem Schulstart alle einfach eine Stunde später ins Bett gehen würden, ist kein schlagkräftiges Gegenargument
  • Natürlich würde die Schule dann auch erst eine Stunde später enden. Ich bin der Meinung, dass man das in Kauf nehmen kann, wenn man weniger kaputt in den Tag startet, und dementsprechend auch mehr vom Tag hat

Bisher gibt es die konkreten Maßnahmen bisher nur in Berlin, und dort auch nur in einer Schule. Dass an unserer Schule in nächster Zeit etwas ähnliches zu erreichen ist, glaube ich leider nicht. Wir werden es jedenfalls als Schüler nicht mehr erleben. Und trotzdem finde ich es, angesichts meiner eigenen täglichen Pein, wichtig. Und wenn es auch nur eine halbe Stunde sein sollte. Nirgends am Tag sind zehn Minuten so kostbar, wie wenn es ums Aufstehen geht.

Bild: josémaría auf flickr.com (Lizenz: CC)